Berlin: Hunderttausende in der Hauptstadt sind überschuldet

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit beschrieb Berlin einmal mit den Worten „Arm aber sexy“. Was das Thema Armut betrifft liegt Berlin im bundesweiten Vergleich nur knapp hinter Bremen. Eine Überschuldung betrifft gut 12 Prozent aller Haushalte der Bundeshauptstadt. Im Stadtteil Wedding sind es sogar über 18 Prozent.

Die Wege in die Schuldenfalle gleichen sich oft

Der häufigste Grund für eine private finanzielle Krise ist der Verlust des eigenen Arbeitsplatzes. Viele Menschen haben dann Schwierigkeiten, die eigenen Lebensumstände den neuen finanziellen Rahmenbedingungen anzupassen. Weitere Auslöser sind Scheidungen und Trennungen, wenn plötzlich zwei Haushalte parallel geführt werden müssen und zusätzlich Unterhaltszahlungen anfallen. Doch auch junge Menschen mit geringem geregeltem Einkommen geraten durch falsches Konsumverhalten immer häufiger in die Privatinsolvenz. Die finanziellen Risiken etwa, die mit dem Abschluss von Handyverträgen einhergehen können, machen sich viele Heranwachsende nicht ausreichend bewusst. Entsprechend hoch ist auch in diesem Bereich der Beratungsbedarf.

Der Gang zur Schuldnerberatung ist der erste Schritt

Nachdem die private Überschuldung mehr als 370.000 Berliner akut betrifft, ist der Beratungsbedarf in der Hauptstadt besonders hoch. Wer eine Schuldnerberatung in Berlin sucht, sollte sich demnächst an die Sozialämter, eine Verbraucherzentrale oder auch eine kirchliche Beratungsstelle wenden, denn es gibt eine Vielzahl von Angeboten die vom spezialisierten Einzelanwalt bis hin zu angegliederten Schuldnerberatungen der Verbraucherschutzzentralen reichen. Da der Weg aus der Privatinsolvenz ein langer und steiniger ist, sollte man in besonderem Maße bemüht sein, einen kompetenten Partner zu finden, denn bereits die Einleitung eines Verfahrens kann oft über mehrere Monate dauern. Es schließt sich eine sechsjährige Wohlverhaltensphase an, in der dem Schuldner selber nur ein Einkommen innerhalb der Pfändungsfreigrenzen verbleibt. Für Alleinstehende bedeutet dies, dass sie im Monat etwa 1.050 Euro zur Verfügung haben. In Berlin verbrauchen hier schon die Wohnkosten einen Großteil dieser Summe.

Die Privatinsolvenz: ein langwieriges Unterfangen

Selbst nach Abschluss der Privatinsolvenz gestalten sich die nächsten Schritte oftmals schwierig, denn bis zur Restschuldbefreiung hat man als Schuldner über Jahre von der Hand in den Mund gelebt. Um an dieser Stelle einem Rückfall in alte Verhaltensmuster vorzubeugen, wird die Eintragung der Verbraucherinsolvenz bei der Schufa erst drei Jahre später gelöscht.

 
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