Schrottplatz

Wenn die Stadt zum Rohstofflager wird: Urban Mining

Experten gehen davon aus, dass es schon bald in Deutschland und anderswo einen gravierenden Rohstoffmangel geben wird. Jetzt sollen Müllhalden aus den sechziger Jahren, Schrottplätze und Ruinen von Gebäuden helfen, die Rohstoffprobleme in den Griff zu bekommen. Dahinter steckt das Konzept des Urban Mining.

Kreislauf statt Abfall

Urban Mining bedeutet zu Deutsch „städtischer Bergbau“, eine Art von Rohstoffgewinnung, die sich grundlegend vom herkömmlichen Recycling unterscheidet. Gerade mal 64 Prozent des Hausmülls werden hierzulande recycelt. 36 Prozent, also mehr als ein Drittel, gehen verloren. In Zeiten sich verknappender Ressourcen ist eine solch hohe Verlustquote nicht mehr tragbar. Urban Mining soll dazu beitragen, die Menge des ungenutzten Mülls deutlich zu reduzieren.

Viele unserer Städte sind echte Rohstofflager: Kupfer, Blei, Zink, Zinn, Aluminium und viele andere wertvolle Metalle wurden über Jahrhunderte lang verbaut. Heute schlummern vielerorts wertvolle Rohstoffe: Das können Metallträger in alten Gemäuern oder Kupferrohre in der Erde sein. Oder sie verbergen sich im Klärschlamm und im 50 Jahre alten Müll. Beim Abriss eines Gebäudes beispielsweise können die Wertstoffe dann vor Ort getrennt und neu verarbeitet werden, anstatt sie als Bauschutt zu entsorgen. Die in den Städten vorhandenen Rohstoffe werden so in Produktionsprozesse zurückgeführt, der Bedarf an teuren Importen sinkt. Urban Mining ist ein wichtiger Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft und eine Abkehr von der reinen Abfallwirtschaft.

Landfill Mining: Die Müllkippe als Rohstoffdepot

Die Nutzung alter Mülldeponien ist eines der wichtigen Beispiele für Urban Mining – auch bekannt als Landfill Mining. Hier lagern, meist gut erhalten, Plastik, Papier, Elektroschrott, Glas sowie Metallreste aus den sechziger und siebziger Jahren. Mülltrennung war noch unbekannt, alles landete achtlos auf der Halde. Heute graben dort Wissenschaftler, auf der Suche nach Brauchbarem. Die Funde zeigen, dass der Müll sich erstaunlich gut gehalten hat – auch ein halbes Jahrhundert später.

Bei weiter steigenden Rohstoffpreisen könnte das Ausgraben alter Müllreserven rasch zu einem lohnenden Unterfangen werden – und alte Mülldeponien zu wertvollen Rohstoffquellen. Experten taxieren den Rohstoffwert einer einzigen Müllhalde zwischen 25 und 80 Millionen Euro. Allerdings müssen bei der Rohstoff-Rückgewinnung auch ganz eigene Probleme berücksichtigt werden, denn im Müll schlummern auch Gifte – Dioxine etwa, oder Asbest und PCB. Zudem entsteht noch immer im Inneren der Deponien klimaschädliches Methangas. Gifte und Gase müssen aufwendig und für viel Geld entsorgt werden. Allerdings könnte das Importieren von Rohstoffen in naher Zukunft noch teurer werden.

Wer selbst sein Scherflein dazu beitragen will, dass sich die Rohstoffe nicht immer weiter verknappen, geht beispielsweise mit seinem Altmetall zum Schrotthandel. Dort werden diese Wertstoffe aufgekauft: Altmetall, Aluminium, Kupfer, Blei, Messing, Zinn und viele weitere.

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