2:1 gegen Freiburg: RB Leipzig schafft «Europa-Hattrick»

Leipzig – Trotz des «Europa-Hattricks» erlebte Ralf Rangnick ein wahres Gefühlschaos. Erst die «krasse Fehlentscheidung» zum Freistoß vor dem Ausgleich der Freiburger, dann der aus seiner Sicht nicht berechtigte Elfmeter zum 2:1-Endstand für RB Leipzig.

Nach dem gebuchten Champions-League-Ticket ging Rangnick dann erstmals in seiner Amtszeit in die Fankurve. Während auf der Anzeigetafel immer wieder «Europa-Hattrick» aufleuchtete, kam plötzlich Hektik auf, als ein Anhänger ihm seine Fan-Weste reichte und über die Bande kletterte. «Er wollte, dass ich sie mir anziehe. Das habe ich gemacht. Dann kam er aber auch noch runter und hat sich dann praktisch runtergehangelt, weil er mit mir ein Foto machen wollte», sagte Rangnick. Doch der Fan stürzte von der hohen Begrenzung und brach sich wohl den Knöchel. «Im Nachhinein fast tragisch», sagte Rangnick fassungslos.

Jetzt kann der Leipziger Macher erstmal durchatmen. Er freue sich auf die letzten drei Bundesligaspiele, weil er mal nicht auf die Tabelle gucken müsse. Doch seine Spieler sind heißgelaufen. Die erste große Titelchance in der zehnjährigen Vereinsgeschichte mit dem Pokalfinale am 25. Mai in Berlin gegen den FC Bayern steht im Fokus. Auch schon im letzten Heimspiel gegen den deutschen Rekordmeister soll ein Sieg her. «Wir wollen die zweimal schlagen», betonte Emil Forsberg.

Stratege Rangnick hat zwar erklärt, er wolle die letzten Ligaspiele zum «Qualifying für das Pokalfinale» machen, doch er werde «keinen Gang runterschalten». Zu groß sei der interne Druck im Team, in das in Dayot Upamecano, Bruma und demnächst Tyler Adams weitere Verletzte in das Training zurückkehren. Der Zittersieg gegen starke Freiburger zeigte laut Torjäger Yussuf Poulsen auch: «Wir sind reifer geworden. Es gibt so Tage, da läuft es nicht so richtig rund, da gilt es trotzdem, Bereitschaft reinzulegen. Wenn man an nicht so guten Tagen trotzdem 2:1 gewinnt, dann sind wir eine richtig gute Mannschaft.» RB-Kapitän Willi Orban bezeichnete seine Kollegen als «absolute Mentalitätsspieler», Rangnick sein Team als verschworenen Haufen.

Erleichtert war der 60 Jahre alte Schwabe nach dem achten Pflichtspielsieg in Serie am Samstag vor 40 826 Zuschauern in der Red-Bull-Arena auch, weil er sein Königsklassen-Versprechen an Trainer-Nachfolger Julian Nagelsmann eingelöst hatte. Nach dem Abpfiff ballte Rangnick mehrfach die Faust und ließ seine Freude ungewohnt ausgelassen heraus. Immerhin kann er nun als Sportdirektor die gesicherten Einnahmen von über 30 Millionen Euro für die Gruppenphase weiter in sein Team investieren.

RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff hatte zuletzt immer wieder betont, die Spieler sollten nicht den Verein wechseln müssen, um Champions League zu spielen. Ob das auch für Timo Werner gilt? In dieser Personalie herrscht weiterhin Stillstand. Auch weil der Trainer Rangnick alle Anfragen bis zum Saisonende abwehrt.

Werner hatte RB gegen seinen Lieblingsgegner SC Freiburg – ligaübergreifend gelangen ihm zehn Tore in zehn Spielen – in der 19. Minute in Führung gebracht. Vincenzo Grifo (66.) erzielte nach einem umstrittenen Freistoß den Ausgleich, als RB-Keeper Peter Gulacsi noch seine Mauer korrigierte. Der eingewechselte Forsberg (78.) traf per Handelfmeter zum Sieg. SC-Trainer Christian Streich fragte vergebens nach dem Videobeweis, selbst Rangnick gab ihm recht: «Es war keine Absicht, ich hätte den Elfmeter nicht gegeben.» Mit dem 13. Bundesligaspiel in Serie ohne Niederlage egalisierte Rangnick die Bestmarke aus der Premierensaison 2016/17 unter Ralf Hasenhüttl. Am kommenden Freitag in Mainz kann er alleiniger Rekordhalter werden.

Fotocredits: Jan Woitas
(dpa)

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