Beachvolleyball-Star Ludwig setzt auf Familien-Effekt

Moskau – 2007 baggerte Laura Ludwig ihre erste Medaille aus dem EM-Sand, zwölf Jahre später kann Deutschlands erfolgreichste Beachvolleyballerin europäisches Edelmetall Nummer zehn gewinnen.

«Wir sind nicht weit weg», kommentierte Niclas Hildebrand, Sportdirektor des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV), den jüngsten Aufwärtstrend der Olympiasiegerin und ihrer jetzigen Partnerin Margareta Kozuch.

Beim jüngsten Major-Turnier in Wien hatten Ludwig/Kozuch gleich drei der Top-10-Teams der Welt bezwungen und waren erst im Viertelfinale am brasilianischen Duo Agatha/Duda gescheitert. Platz fünf ist das beste Ergebnis für das seit Januar zusammenspielende Nationalteam, das der Verband als ein Aushängeschild sieht.

Die Brasilianerinnen sind genau wie die starken US-Amerikanerinnen und Kanadierinnen bei der EM natürlich nicht dabei. Das erhöht die Chancen. Unter den gegenwärtigen Top Ten der Welt steht in Sanne Keizer und Madelein Meppelink nur ein europäisches Duo, die Niederländerinnen gehen in Moskau als Titelverteidigerinnen an den Start. Die deutschen Sand-Athletinnen und Athleten waren im Vorjahr in Den Haag erstmals seit 1999 medaillenlos geblieben.

Das soll sich nun in Moskau wieder ändern. «Ziel ist, dass wir bei beiden Geschlechtern um die Medaillen mitspielen», erklärte Sportdirektor Hildebrand. Mit bisher 34 Plaketten ist der DVV der mit Abstand erfolgreichste Verband bei der kontinentalen Meisterschaft.

Die inzwischen 33 Jahre alte Ludwig ist mit neun Medaillen an dieser Bilanz beteiligt – eine beispiellose Serie. Die Hamburgerin ist bereits viermal Europameisterin. Zuletzt gewann sie mit der inzwischen zurückgetretenen Kira Walkenhorst, mit der sie auch Olympiasiegerin und Weltmeisterin wurde, 2015 und 2016 die EM. Die Titel zuvor hatte sie mit Sara Goller, heute Niedrig, geholt.

Der Neubeginn nach der Geburt ihres Sohnes Teo mit der 32-jährigen Kozuch – einst Spielführerin der Hallen-Nationalmannschaft – gestaltete sich schwieriger als erhofft. Dem Hamburger Duo fehlte vor allem die Beständigkeit. Bei der Heim-WM flogen Ludwig/Kozuch nach teilweise mitreißenden Vorrunden-Partien schon in der ersten K.o.-Runde raus. Und auch auf der Welttour fehlten bis Wien die Top-10-Ergebnisse. Die angestrebte Qualifikation für Olympia 2020 geriet in Gefahr.

«Ich glaube, der Knoten ist geplatzt», sagte Ludwig jetzt. Da sei nun endlich «ein Stück Leichtigkeit zu spüren». Hildebrand bestätigte: «Die langen Fehler-Serien von Maggie Kozuch sind nicht mehr da.» Das führt der Sportdirektor auch auf einige Veränderungen im engen Umfeld des Teams zurück. Chefcoach Jürgen Wagner, der Ludwig zum Olympiasieg und auf den WM-Thron geführt hat, agiert jetzt als eine Art Projektleiter. Imornefe «Morph» Bowes übernahm als Chef-Bundestrainer die direkte Betreuung des Teams. Zuvor war er als persönlicher Coach beim Hamburger Stützpunkt vor allem für das Nationalteam Victoria Bieneck und Isabel Schneider verantwortlich.

«Dass dies definitiv eine besondere Situation ist, ist uns natürlich bewusst», sagte Hildebrand. Der Schotte Bowes ist der Lebenspartner von Ludwig. Der Verband vertraut in der vorentscheidenden Phase auf dem Weg nach Tokio 2020 bei Ludwig/Kozuch auf die fachliche Klasse von Bowes und den Effekt von Veränderungen. «Entscheidend ist, dass wir einen Impuls setzen», betonte der Sportdirektor.

Fotocredits: Georg Hochmuth
(dpa)

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