Bob-Weltmeisterin Schneiderheinze Dritte am Königssee

Königssee (dpa) – Das erste Weltcup-Rennen als Zweierbob-Weltmeisterin war für Anja Schneiderheinze ein voller Genuss. Beim Saison-Finale am Königssee landete sie zwei Wochen nach ihrem ersten WM-Titel als Pilotin mit Anschieberin Annika Drazek auf Platz drei und strahlte dennoch wie eine Siegerin.

Trotz egalisierten Startrekords hatte das Duo nach zwei Läufen 22 Hundertstelsekunden Rückstand auf die siegreiche US-Pilotin Elana Mayers Taylor. Olympiasiegerin Kaillie Humphries aus Kanada, die zum dritten Mal nach 2013 und 2014 den Gesamtweltcup holte, wurde Zweite.

Die Oberhoferin Mariama Jamanka landete mit Franziska Bertels auf Platz acht. Junioren-Weltmeisterin Stephanie Schneider aus Oberbärenburg, die mit Lisa Marie Buckwitz fuhr, wurde 13.

«Königssee zählt ja nicht zu meinen Lieblingsbahnen, doch ich bin heute auch mal richtig gut gefahren. Das war heute eine Genugtuung. Der WM-Titel hat uns auch ein wenig beflügelt», sagte Schneiderheinze, die im Training nicht so klar gekommen war. Anders als bei ihrem sechsten Platz beim Weltcup im Dezember fuhr Schneiderheinze im ältesten Kunsteiskanal der Erde diesmal eine klar bessere Linie. Am Start legte das Weltmeister-Duo in 5,16 und dann gar 5,13 Sekunden (Startrekord) Bestleistungen hin. «Wir wollten zum Abschluss der Saison diese Bestmarke noch knacken und haben es geschafft», meinte Startrakete Drazek.

Im Gesamtweltcup konnte Schneiderheinze nicht ganz vorn eingreifen, weil sie den Weltcup Ende Januar in Whistler ausgelassen hatte, um sich gezielt auf die WM vorzubereiten. «Das war ja am Ende genau die richtige Entscheidung. Deutscher Meister, Europameister, Weltmeister – was will man mehr», meinte die mit 37 Jahren älteste Weltmeisterin der Bobgeschichte. Die Zeit nutzte sie zugleich, um mit den Tüftlern der Materialschmiede FES den alten Schlitten von Cathleen Martini (WM-Bronze 2015) aufzumotzen. In dem Zweierbob fuhr sie dann zu ihrem ersten WM-Gold als Pilotin, nachdem sie schon 2005 als Anschieberin von Sandra Kiriasis auf den WM-Thron gerast war und ein Jahr später in Turin Olympiasiegerin wurde.

Doch ob sie auch nächste Saison in den Bob steigt, ließ Schneiderheinze überraschend offen. «Jetzt legen wir uns erstmal richtig auf die faule Haut», meinte sie und antwortete auf die Frage, ob sie zurückkomme: «Mal sehen, es wird alles richtig durchdacht. Es muss auf jeden Fall auch etwas passieren und dann schau’n wir mal.»

Fotocredits: Tobias Hase