«Brasilien pur» im Maracanã: Start der Samba-Spiele

Rio de Janeiro (dpa) – Wird es Pelé? Die Fußballlegende, vom Internationalen Olympischen Komitee zum Sportler des Jahrhunderts gekürt, hat selbst bestätigt, dass er ein Kandidat für das Anzünden des olympischen Feuers ist.

Ausgerechnet im Maracanã: Hier schoss der heute 75-Jährige gegen Vasco da Gama am 19. November 1969 für den FC Santos sein 1000. Tor – ein Elfmeter, das war egal. Heute kann in den Katakomben ein Denkmal zu Ehren dieses Moments besichtigt werden.

Ein Sprecher des Rio2016-Organisationskomitees sagt zum Pelé-Gerücht: «Die Entzündung des Feuers wird eine Überraschung sein.» Fußball, Beachvolleyball, Segeln, Judo: Brasilien hat nicht viele olympische Trümpfe. Die bekanntesten Sportler sind Fußballer, bei Olympia ist es auch so: Angeführt von Neymar sollen die Männer erstmals Gold holen.

Endlich geht es los, Rio de Janeiro eröffnet die XXXI. Olympischen Sommerspiele, nach all den Problemen und Dopingskandalen im Vorfeld sind es Spiele, die ein wenig einer Wundertüte gleichkommen – die Eröffnungsfeier wird ein wichtiger Gradmesser. Und Brasilien wird das zeigen, was es auszeichnet: Lebensfreude, Buntheit, Musik, Schönheit.

Die großartige Natur wird eine Rolle spielen, aber auch Probleme wie die Herausforderungen durch den Klimawandel. Riesige Wellen sollen durch die Arena schwappen – und Model Gisele Bündchen (36) könnte als heutige Version des «Girls from Ipanema» auftauchen, jene Schönheit vom Strand, der Tom Jobim den berühmten Bossa-Nova-Klassiker widmete.

Nach der Nationalhymne sollen die Zuschauer auf eine große Zeitreise geschickt werden, berichtet das Portal «O Globo». Angefangen von den indigenen Völkern, die das Land, die Weiten des Amazonasgebietes bewohnten, und nach der Ankunft der portugiesischen Kolonialherren immer weiter zurückgedrängt wurden. Riesige Schiffe sollen angeblich eine Rolle spielen, mit Blick auf die heutige Zeit soll auch das bunte Leben etwa in den Favelas spielerisch thematisiert werden.

Dabei sind nach Angaben aus der Samba-Szene auch die neun besten Samba-Schulen Rios, darunter der Gewinner des diesjährigen Karnevals, Mangueira. Besuch bei der Abschlussprobe, eine riesige Halle in der Nähe des Maracanã. Es ist unbeschreiblich laut, die «Bateria Mangueira», die mehrere hundert Leute starke Samba-Kapelle, trommelt sich warm, junge Frauen tanzen 100 Meter entfernt auf Hochtouren mit wahnsinnig schnellen Trippelbewegungen. «Eine Minute, das ist schrecklich, da müsst ihr jetzt durch», ruft Lehrerin Queila Mara. Es wird mächtig geschwitzt, Samba-Tanzen kann sehr harter Sport sein.

Bis zu 5000 tanzen und musizieren beim Karneval im Sambódromo – bei der Olympia-Eröffnung werden von Mangueira rund 70 Mitglieder dabei sein. Beobachter der Generalprobe vor 47 000 Zuschauern sprechen von einer großen Show. Bei der Eröffnung sind strenge Einlasskontrollen durch das Militär geplant, die Gegend ist weiträumig abgesperrt, der Tag wurde zum Feiertag erklärt, um ein Verkehrschaos zu verhindern.

Die Zahlen der Show sind beeindruckend: fünf Jahre Vorbereitung, 12 000 Kostüme, 5000 Freiwillige, 3000 Kilo Feuerwerk. Zur Feier werden 45 Staats- und Regierungschefs erwartet, darunter Bundespräsident Joachim Gauck und Frankreichs Präsident François Hollande.

Für zwei Ehrengäste dürfte es spannend werden: Muss IOC-Präsident Thomas Bach nach seinem grünen Licht für Russlands Olympia-Start mit Pfiffen rechnen? Gleiches gilt für Michel Temer, der bisherige Vize hatte sich mit der Opposition verbündet. Präsidentin Dilma Rousseff wurde unter fragwürdigen Umständen suspendiert, nach Olympia soll sie endgültig des Amtes enthoben werden. So kann Interimspräsident Temer die Spiele eröffnen. Rousseff hat nur ein Wort für ihn: «Verräter».

Fotocredits: Antonio Lacerda