Chaos bei den Eisschnellläufern: Van Veen und Bartko gehen

Minsk – Sportdirektor Robert Bartko und Cheftrainer Jan van Veen haben nach dem desaströsen Olympia-Ergebnis der deutschen Eisschnellläufer ihre Ämter zur Verfügung gestellt.

«Ich habe große Zweifel, ob die notwendige Umstrukturierung, die meiner Meinung nach durchgeführt werden muss, durch alle am Prozess beteiligten Personen mitgetragen werden würde. Ich habe mich deswegen entschieden, meinen Vertrag mit der DESG nicht zu verlängern», erklärte van Veen auf dpa-Anfrage.

Später dann teilte DESG-Präsidentin Stefanie Teeuwen mit: «Sportdirektor Robert Bartko verlässt den Verband auf eigenen Wunsch, um sich neuen beruflichen Herausforderungen zu stellen.» Man bedauere das Ausscheiden von Herrn Bartko, danke ihm für seinen Einsatz und wünsche ihm auf seinem weiteren beruflichen und privaten Lebensweg alles Gute, hieß es in dem Statement.

Gegen den von Bahnrad-Olympiasieger Bartko verpflichteten Cheftrainer gab es in der Mitteilung einen Seitenhieb. Van Veen habe das Angebot für ein Gespräch abgelehnt und «selbstständig entschieden, der Öffentlichkeit mitzuteilen, dass er die Zusammenarbeit mit der Deutschen Eisschnelllauf Gemeinschaft nicht fortsetzt».

Enttäuscht hatte van Veen festgestellt: «Zwei Jahre habe ich mit viel Spaß und voller Energie für die DESG gearbeitet. Ich sehe aber langfristig keine Möglichkeiten, die DESG wieder an die Weltspitze zu führen.» Beim Weltcup-Finale in Minsk nutzte der Niederländer bereits die Gelegenheit, sich vom Damen-Team zu verabschieden. In Weißrussland hatte Claudia Pechstein im deutschen Team mit Platz drei für den 115. Podestplatz ihrer Karriere gesorgt.

Van Veen hatte noch in Pyeongchang seine Bereitschaft erklärt, seinen Weg in Deutschland weitergehen zu wollen. «Ich habe noch Spaß daran, Athleten schneller zu machen», sagte der Mann aus dem holländischen Dwingelo. Doch inzwischen habe er alles genau analysiert und sich Gedanken gemacht. «Ich habe Plus und Minus gegeneinander abgewogen», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Ob allein das enttäuschende Abschneiden der Deutschen bei den Winterspielen van Veens Rückzug auslöste, ist fraglich. Denn Bartko hatte van Veen vor der Saison 2015/16 verpflichtet und stets alle Konzepte mit ihm abgestimmt. In der Vergangenheit war vom Präsidium und einigen Top-Athleten kritisiert worden, dass der ehemalige Bahnradstar Bartko zu wenig kommuniziere.

«Die Zukunft ist völlig unklar. Aber egal wer künftig Verantwortung übernimmt, er sollte mehr mit uns Sportlern reden. In der Vergangenheit sind zu viele Entscheidungen über unsere Köpfe hinweg gefällt worden», sagte Patrick Beckert, der durch eine Disqualifikation im Finale über 5000 Meter den Sprung auf den mit 7000 Dollar dotierten Platz drei im Gesamt-Weltcup verpasst hatte.

Beckert hatte bei Olympia mit Rang sieben über 10.000 Meter für das beste Einzel-Resultat der deutschen Eisschnellläufer gesorgt. Damit konnte der Erfurter das schlechteste Abschneiden bei Winterspielen seit 54 Jahren nicht verhindern, obwohl nach Sotschi 2014 Präsident, Sportdirektor und Cheftrainer ausgetauscht worden waren.


(dpa)

(dpa)