Das muss man wissen zum Großen Preis von Brasilien

São Paulo – Sie können befreit fahren, die Titel sind ja vergeben: Mercedes will den ersten Grand Prix nach Lewis Hamiltons sechstem WM-Triumph zur weiteren Machtdemonstration nutzen, Sebastian Vettel hofft im 100. Formel-1-Rennen für Ferrari auf einen siegreiches Jubiläum.

Auch damit die Kritiker und Zweifler Ruhe geben, die den jüngsten Einbruch der Scuderia einem Hinweis der Regelhüter anrechneten. Der Große Preis von Brasilien steht an auf einem Kurs, der meist allein dafür sorgt, dass das Rennen ein Hingucker mit Erinnerungswert wird.

Welche Bedeutung hat das Rennen nach den bereits gefallen Titelentscheidungen überhaupt noch?

Natürlich geht es immer noch um Punkte für die Fahrer- und die Konstrukteurswertung. In der Teamkategorie haben die Platzierungen einen direkten Einfluss auf die Gelder, die die Rennställe bekommen. Ansonsten geht es auch ums Prestige. Interlagos ist ein Klassiker. Sebastian Vettel hat bereits dreimal dort gewonnen, mit dem vierten Sieg würde er mit Michael Schumacher gleichziehen. Ob der erneut geschlagene Herausforderer Ferrari oder Dauerweltmeister Mercedes oder auch Red Bull: Sie werden das Rennen auch schon für die Entwicklung fürs kommende Jahr nutzen und sich mit einem Erfolgserlebnis weiteren Schwung für die immens wichtige Arbeit in der winterlichen Rennpause holen wollen.

Warum steht Ferrari besonders im Blickpunkt?

Der Geschwindigkeitsvorteil der Scuderia war in Austin auf einmal verschwunden. Nichts wurde es daher mit der siebten Pole in Rot in Serie. Und im Rennen bestätigte sich der Eindruck. Hatten Sebastian Vettel und Charles Leclerc in dieser Saison bis dahin einen Vorteil auf den Geraden dank größerer Motorpower, wunderte sich die Konkurrenz in Austin über die deutlich schwächeren Zeiten.

Nun in Brasilien tritt Leclerc sogar mit einem ganz neuen Motor an. Bei seiner Aufholjagd dank reichlich Strafplätzen wird er beweisen wollen, dass die Über-Power nichts mit einem möglicherweise nicht regelkonformen Benzinfluss zu tun hatte, wie von manch einem Rivalen bereits vermutet.

Warum kommt Mercedes auch ohne seinen Chef klar?

Der Chef bleibt in Europa. Toto Wolff will die Zeit für andere Dinge nutzen. Der Mercedes-Motorsport- und gleichzeitig Silberpfeil-Teamchef vertraut seiner Mannschaft so sehr, dass er ganz beruhigt erstmals seit 2013 nicht bei einem Grand Prix vor Ort ist. Nach sechs Fahrer- und ebensovielen Konstrukteurstiteln in Serie ein Luxus, den sich Team und Teamchef leisten können.

Warum ist Brasilien für Hülkenberg immer ein besonderer Ort?

Der 6. November 2010 in São Paulo bleibt noch immer der größte Erfolg in der Formel-1-Karriere von Nico Hülkenberg. In einer verrückten Regenqualifikation holt der damals 22-Jährige in seinem ersten Jahr in der Motorsport-Königsklasse die Pole Position. Im Rennen landet er im Williams auf Rang acht. «Das hat einfach Spaß gemacht, weil alles gepasst hat», blickt er nun zurück.

Dass er dennoch im darauffolgenden Jahr kein Stammcockpit bekam, passt ins Karrierebild des Rheinländers in der Formel 1. Nach reichlich Erfolg in den unteren Rennserien konnte Hülkenberg bis heute keinen Grand Prix gewinnen und nicht mal einen Podestplatz feiern. Stand jetzt wird der Auftritt in Brasilien sein vorerst vorletzter in der Formel 1 sein.

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(dpa)

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