EM-Härtetest: U21 will «England das Leben schwer machen»

Bournemouth – Ein klein wenig neidisch schaut Stefan Kuntz schon auf die «individuelle Klasse» der englischen U21.

«Viele von den Jungs spielen beispielsweise bei uns in der Bundesliga oder aber in der englischen Premier League. Und dort bekommen sie in ihren Vereinen auch regelmäßige Einsatzzeiten. Das sagt schon alles», sagte der deutsche U21-Trainer vor dem Duell seiner Nachwuchs-Fußballer gegen die englische Auswahl am Dienstag (20.45 Uhr/ProSieben MAXX).

Seit zwei Jahren sind die Young Lions ungeschlagen und ein Topfavorit auf den EM-Titel – der perfekte Härtetest für Europameister Deutschland auf dem Weg zur Titelverteidigung. «Wichtig ist: Unter welchem Stress kriegen wir unsere Ideen weiterhin durch? Wo wird uns ein Limit gesetzt? Wenn wir das kennen, müssen wir eine Idee finden, wie wir das umgehen können», erklärte der 56-jährige Kuntz.

Das Talent-Reservoir der Engländer ist riesengroß. Jadon Sancho (19 Jahre), der für mehr Spielpraxis die Insel verließ und bei Borussia Dortmund durchstartete, oder der vom FC Bayern München umworbene Callum Hudson-Odoi (18/FC Chelsea) sind bei den Engländern im A-Team angekommen. Ähnlich wie Timo Werner (23) oder Leroy Sané (23) auf deutscher Seite. Englands U21-Coach Adrian Boothroyd hat mit Spielern wie Hoffenheims Reiss Nelson (19) oder dem Ex-Leipziger Ademola Lookman (21) aber immer noch eine starke Mannschaft beisammen.

Doch deren Angstgegner heißt Deutschland: Im März 2017 gab es für das englische Team die letzte Niederlage – gegen die DFB-Auswahl. Im EM-Halbfinale jubelten Kuntz & Co. ebenfalls, nach Elfmeterschießen.

Fünf Tage nach dem starken 2:2 im Test gegen Frankreich kann das Match gegen die Briten für die DFB-Auswahl ein Wegweiser auf dem Weg zur Titelverteidigung sein. «Wir haben wieder unsere Idee, die wir durchsetzen wollen, wo wir denken, das müssen wir mal ausprobieren», sagte Kuntz. «Das wird ein Super-Spiel, ausverkauftes Stadion, 11 000 Leute, da lassen wir uns schon noch was einfallen», sagte Kuntz drei Monate vor dem Turnier vom 16. Juni an in Italien und San Marino.

Eines der zahlreichen englischen Talente sieht seine Zukunft allerdings beim DFB. Der gebürtige Hamburger Lukas Nmecha (20) spielt seit seinem neunten Lebensjahr auf der Insel und durchlief Englands Nachwuchs-Nationalteams, bis er sich nun für den Wechsel entschied. «Lukas ist ein extrem veranlagter Spieler, der seine komplette sportliche Ausbildung bei Manchester City genossen hat. Somit ist er vor allem ein spielerisch starker Stürmer», sagte Kuntz «ran.de».

Ob Nmecha am Dienstag in Bournemouth auflaufen kann, war allerdings noch unklar, da zunächst keine Spielgenehmigung vorlag. «Wichtig ist, dass wir ihn jetzt mal zehn Tage bei uns gehabt haben, dass wir ihn kennengelernt haben und er uns», sagte Kuntz über die EM-Option. «Wenn wir nachher auf ihn zurückgreifen, dann ist es kein Blind Date.»

Ein besonderer Ansporn für sein Team: In England gab es für die U21 des DFB in sechs Partien noch keinen Sieg. Es sei «das Größte, wenn man den Engländern auswärts im eigenen Stadion das Leben so richtig schwer machen kann», sagte Kuntz. Er selbst hat daran beste Erinnerungen: 1996 traf er auf der Insel im EM-Halbfinale gegen England zum 1:1 – später wurde seine Mannschaft Europameister.

Fotocredits: Bernd Thissen
(dpa)

(dpa)