Fast gehörloser Golf-Amateur John sorgt für Sensation

Winsen – Der fast gehörlose Golf-Amateur Allen John hat bei der Porsche European Open für eine Sensation gesorgt und den Stars um Masters-Champion Patrick Reed die Show gestohlen.

Der Weltmeister und Deaflympicssieger der gehörlosen Golfer spielte sich dank der besten Tagesleistung von 67 Schlägen auf den geteilten zweiten Rang beim Profi-Turnier im niedersächsischen Winsen an der Luhe. Am Ende hatte der 30-Jährige aus Ludwigshafen, der durch eine Wildcard des Veranstalters ins Turnier gerutscht war, nur einen Schlag Rückstand auf den Sieger Richard McEvoy.

«Ich bin noch sprachlos», gestand der überglückliche John. «Die Runde war natürlich sensationell». Auf das Preisgeld von rund 150.000 Euro muss der gelernte Sport- und Fitnesskaufmann aber wegen seines Amateur-Status‘ verzichten. «Da musste ich kurz schlucken. Aber das wusste ich ja schon im Vorfeld», sagte John. «Aber die Erfahrung, die ich hier machen durfte und die ganze Atmosphäre waren einfach unbezahlbar.»

John ist seit der Geburt schwer hörgeschädigt. Ohne seine beiden Hörgeräte ist der Mannschaftsspieler des Golf Clubs St. Leon-Rot fast taub. «Ich habe noch ungefähr fünf Prozent Resthörigkeit», erklärte er. Auf dem Golfplatz bekommt er die Rückmeldung, ob es ein guter oder ein schlechter Schlag war, viel mehr über das Gefühl in den Fingern und Händen als über das Ohr.

2017 trat John im türkischen Samsun bei den Olympischen Spielen für Gehörlose, den Deaflympics, an und gewann überlegen die Goldmedaille. Was für ihn der größere Erfolg ist, der Sieg bei den Deaflympics oder der zweite Platz in Winsen, vermochte er gar nicht zu sagen. «Man kann sie nicht vergleichen. Beide sind geil!» Ob er nun ins Profilager wechseln wird, ließ der 30-Jährige aber erst einmal offen: «Das gibt natürlich Mega-Selbstvertrauen, wenn man bei einem European-Tour-Turnier vorne mit dran ist.»

Auch der zuvor fast unbekannte Engländer Richard McEvoy nutze in Winsen seine Chance. Die Nummer 275 der Welt gewann das mit zwei Millionen Euro dotierte Turnier und feierte damit den bisher größten Erfolg seiner Karriere. Der 39-Jährige setzte sich mit insgesamt 277 Schlägen gegen John, den Schweden Christofer Blomstrand und Renato Panatore aus Italien (alle 278) durch. Masters-Champion Reed (281) aus den USA wurde am Ende nur Neunter. Für seinen Premierensieg auf der European Tour kassierte McEvoy ein Preisgeld von 333.330 Euro. Als bisher einziger Deutscher konnte Golf-Idol Bernhard Langer 1985 und 1995 die Trophäe der European Open gewinnen.

Im kommenden Jahr wird die Porsche European Open erst im Herbst auf der Golfanlage Green Eagle in Winsen zu Gast sein. Den neuen Termin vom 5. bis 8. September 2019 bestätigte Turnier-Direktor Dominik Senn. Durch die Verschiebung soll die Veranstaltung noch attraktiver für die Spieler der PGA-Tour sein: Dann hat die US-Tour ihre Saison schon beendet. Allen John ist dann mit Sicherheit auch wieder am Start.

Fotocredits: Axel Heimken
(dpa)