Geipel: Flo Jo für mich «der weibliche Michael Jackson»

Berlin – Für DDR-Dopingopfer Ines Geipel ist die vor 20 Jahren gestorbene Weltklasse-Sprinterin Florence Griffith-Joyner noch heute eine faszinierende Person und ein mahnendes Schicksal zugleich.

«Die große Sphinx des Frauensports und ihr früher Tod sind Drama pur. In meinem Kopf ist sie für immer der weibliche Michael Jackson», sagte die Vorsitzende der Doping-Opfer-Hilfe der Deutschen Presse-Agentur. US-Sprintkönigin Griffith-Joyner war am 21. September 1998 im Alter von nur 38 Jahren gestorben. Seit 30 Jahren hält sie die Fabelweltrekorde über 100 und 200 Meter.

«Aus einfachen Verhältnissen stammend rennt eine farbige Sprinterin wie im Sturm in die schillernde Welt aus Superlativen und Glamour. Das ist in meinen Augen die eigentliche Tragik: Dass man bei jedem ihrer Schritte sehen kann, wie jemand durchs Laufen unbedingt frei sein will – und sich dabei völlig verliert», meinte Geipel, die in der DDR selbst eine ausgezeichnete Sprinterin war und heute ein staatlich anerkanntes Dopingopfer ist.

«Zwanzig Jahre nach ihrem bitteren Tod wissen wir deutlich mehr über die Schadenskarrieren unserer großen Idole», meinte Geipel. «Herztode, Epilepsien, Hirninfarkte, Krebse, kaputte Kinder gehören mittlerweile fast selbstverständlich zur Berichterstattung dieser Art Businesssport», sagte die 58 Jahre alte Literatur-Professorin. «Zu Flo Jos Tod gab es keine einzige harte Frage», beklagte sie, «Der Gordische Knoten um die chemisierten Körper bleibt ungelöst.»

Fotocredits: Gregor Fischer
(dpa)