Leichtes Granteln, ansonsten Freude und Stolz bei RB Leipzig

St. Petersburg – Trainer Ralph Hasenhüttl konnte diesen denkwürdigen Abend für RB Leipzig nicht so uneingeschränkt genießen. Von Euphorie war erstmal kaum etwas zu spüren trotz des erstmaligen Einzugs des Vereins in die Runde der besten acht Mannschaften in der Europa League.

«Bei uns gibt es Spannung immer inklusive, manchmal mehr als erträglich», stellte der RB-Coach nach dem nervenaufreibenden 1:1 im Rückspiel des Achtelfinales beim FC Zenit St. Petersburg mit leichtem Zynismus fest. Er wurde auch noch deutlicher: «Nach dem sehr guten Beginn haben wir leider Gottes aufgehört, Fußball zu spielen und den Gegner stark gemacht.» Und «Krönung» sei der verschossene Elfmeter von Timo Werner gewesen, der das Spiel entschieden hätte.

DAS AUF UND AB VON TIMO WERNER

Es hätte nicht wunschgemäßer laufen können, gute 20 Minuten lang. RB ließ sich von der Kulisse im WM-Stadion nicht beeindrucken und vom Gegner nicht überrennen. Und ging auch noch in Führung. Wie schon im Hinspiel bereitete Werner das 1:0 vor. Ein Augenweide, der Pass des 22 Jahre alten Nationalspielers auf den Franzosen Jean-Kévin Augustin in der 22. Minute. Leipzig wollte ein Tor, und am besten das erste. Im Hinspiel war Werner nach der Vorbereitung auch noch als Torschütze zur Stelle gewesen. Er hätte es auch im Rückspiel wieder sein können. Passend zu den Aufs und Abs der vergangenen Wochen verschoss er aber in der 82. Minute einen an ihm selbst verursachten Foulelfmeter. «Das kann passieren», meinte Mitspieler Emil Forsberg. «So mussten wir bis zu allerletzten Sekunde zittern», betonte allerdings Trainer Hasenhüttl.

DIE ANSPRACHE DES TRAINERS

Der Auftritt nach dem starken Beginn mit Führung missfiel dem Coach der Leipziger gehörig. «Ich bin in der Halbzeit schon ein bisschen laut geworden, weil mir nicht gefallen hat, was wir nach dem 1:0 gespielt haben», berichtete Hasenhüttl, der auch nach dem Spiel geschafft und kritisch wirkte.

DIE REGENERATION FÜRS BAYERN-SPIEL

Kurz vor 3.00 Uhr setzte die Chartermaschine am Morgen auf dem Flughafen Leipzig/Halle auf. Gerade mal sechs Stunden nach dem Spielende. Mit dem Teambus ging es zu den Dienstwagen der Spieler auf dem Trainingsgelände, von dort nach Hause. Das Erholungs-Training ist erst für den Nachmittag angesetzt. Am Samstag noch mal Training, am Sonntag das Heimspiel gegen den FC Bayern mit einem Ziel: Den Titelgewinn der Münchner verhindern. «Wir werden alles dafür tun, dass es nicht passiert», sagte Torwart Peter Gulacsi. Und wie sich die Spieler am besten von der Partie in St. Petersburg erholen, hatte Forsberg parat: «Ich bin Schwede, ich mache einfach Kalt-Warm. Du musst nur in kaltes Wasser, dann bist Du wieder fit.»

DIE AUSLOSUNG

Wer wird es? Die Mannschaften, die als Gegner mit im Topf bei der Auslosung für das Viertelfinale im schweizerischen Nyon liegen, haben es aus verschieden Gründen in sich. Eine erneute Reise nach Russland, dann zu ZSKA Moskau, dürfte nicht auf der RB-Wunschliste stehen. Der FC Arsenal wäre sicher ein Club mit klangvollem Namen. Ebenso Atlético Madrid, danach folgen Teams wie Lazio Rom, Olympique Marseille und Sporting Lissabon.

Wer noch übrig bleibt, ist Borussia-Dortmund-Bezwinger FC Salzburg. International heißt der Club so. Die UEFA hatte vor der Saison mögliche Verflechtungen geprüft. In Salzburg ist Red Bull Hauptsponsor, bei RB Leipzig Haupteigentümer. Pikant wäre das Duell ohne Zweifel, zumal in Marco Rose auch noch ein gebürtiger Leipziger seit dieser Saison die Salzburger trainiert.

Fotocredits: Hendrik Schmidt
(dpa)