Leverkusens Auftakt: Ein gefühltes Alles-oder-Nichts-Spiel

Leverkusen – Große Chance und großes Risiko: Das vermeintlich leichteste Gruppenspiel zum Auftakt bringt Bayer Leverkusen in der Champions League gefühlt schon in eine Alles-oder-Nichts-Situation.

Im Falle eines Sieges am Mittwoch (21.00/DAZN) gegen den russischen Pokalsieger Lokomotive Moskau könnte der Fußball-Bundesligist selbstbewusst in die folgenden Auswärtsspiele bei den Favoriten Juventus Turin (1. Oktober) und Atlético Madrid (22. Oktober) fahren. Im Falle einer Niederlage wäre der Traum vom Weiterkommen fast schon beendet.

Das Ziel ist trotz der Hammer-Gruppe mit Atlético als Nummer zwei der UEFA-Rangliste und Juve als Nummer fünf klar für die an Position 27 notierten Leverkusener. «Das ist eine hochattraktive, aber natürlich auch extrem schwere Gruppe», sagte Sportchef Rudi Völler: «Aber wir werden alles geben, um das Achtelfinale zu erreichen.» Das schaffte der Finalist von 2002 bei acht Teilnahmen bisher immerhin sieben Mal.

Das Spiel gegen die Nummer 40 der Rangliste um den früheren Weltmeister Benedikt Höwedes sieht Völler als «Möglichkeit, schnell in die Spur zu finden». Sportdirektor Simon Rolfes betonte: «Wir müssen versuchen, mit einem Sieg in die Gruppenphase zu starten.»

Zumal der Vergleich zwischen Leverkusen und Moskau am Ende zumindest über das Überwintern in der Europa League entscheiden könnte, falls sich der Finalist von 2017 (Juve) und der von 2014 und 2016 (Atlético) tatsächlich als zu stark erweisen sollten. Für den Ex-Schalker Höwedes, der trotz einer im Spiel gegen Sotschi erlittenen Platzwunde unbedingt spielen will, ist es jedenfalls das Duell der «krassen Außenseiter».

Leverkusen will den Tabellen-Fünften der russischen Liga nicht auf die leichte Schulter nehmen. «Du darfst Moskau nicht unterschätzen», mahnte Rolfes. Zumal das 0:4 am Samstag bei Borussia Dortmund nicht gerade das eigene Selbstbewusstsein gestärkt hat. «Wir waren am Ende keine Mannschaft mehr», hatte Trainer Peter Bosz später kritisch analysiert. Und Torhüter Lukas Hradecky erklärte gar: «Wenn es noch zehn Minuten länger gegangen wäre, wäre es auch noch 5:0 oder 6:0 ausgegangen.»

Auch Kapitän Lars Bender und sein Zwillings-Bruder Sven fanden nach dem Spiel intern deutliche Worte, schauen nun aber schon wieder nach vorne. «Mein Bruder und ich sind so aufgewachsen, uns gegenseitig auch mal verbal die Schnauze einzuhauen. Das ist aber fünf Minuten später auch vergessen», sagte Lars. Und Sven freut sich gar, den Frust nicht bis zum Wochenende rumtragen zu müssen: «Das Schöne an Englischen Wochen ist, dass man schnell etwas korrigieren kann.»

Fotocredits: Rolf Vennenbernd
(dpa)

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