Löw: So ein Turnier ist etwas Außergewöhnliches für ein Land

Nyon – Fragen an Bundestrainer Joachim Löw in der Mixed Zone der UEFA-Zentrale nach der Vergabe der Fußball-EM 2024 an Deutschland.

Wie geht es Ihnen nach dem spannenden Wahltag?

Joachim Löw: Natürlich waren wir gestern und heute wirklich aufgeregt vor der Entscheidung. Jetzt sind wir wirklich glücklich, weil wir alles getan haben in den vergangenen Monaten, diese Chance zu bekommen, das Turnier 2024 auszurichten.

Werden die Menschen wieder ein Sommermärchen erleben?

Löw: Wir sind glücklich und werden alles tun, ein gutes Turnier zu haben. Wir haben es 2006 in Deutschland gesehen, die Menschen waren emotional. Es war eine große Party. Wir tun unser Bestes, dass wir diese Gefühle auch in sechs Jahren haben werden.

Was hat den Ausschlag für Deutschland gegeben?

Löw: Das weiß ich nicht. Ich habe das türkische Video gesehen und das war auch gut. Sie haben auch gekämpft. Die Gründe kann ich nicht nennen, aber ich kann sagen, dass ich glücklich bin.

Sie waren Teil der DFB-Delegation und mussten Fragen der UEFA-Wahlleute beantworten. War das schwerer, als ein Spiel zu coachen?

Löw: Es war schwerer, als bei einer Pressekonferenz im sportlichen Bereich, wenn man vorne sitzt und weiß, man bekommt ein paar Fragen von den Exko-Mitgliedern über die Bewerbung. Dann fühlt man auch mal, was für eine Verantwortung insgesamt bei den Leuten, die daran gearbeitet haben, vorherrscht. So ein Turnier ist etwas Außergewöhnliches für ein Land. Von daher war die Spannung auch zu spüren.

Erleichtert der EM-Zuschlag auch Ihre Arbeit mit dem notwendigen Neustart nach der verkorksten WM?

Löw: Mit meiner Leistung oder mit der Leistung vom Team hat das nichts zu tun. Wir müssen uns auf das konzentrieren, was die nächsten Wochen auf uns zu kommt. Wir hatten eine schlechte WM, keine Frage.

Ist die Heim-EM für Sie Motivation, bis 2024 Bundestrainer zu bleiben?

Löw: Alle im Verband, in der Organisation, die können jetzt vorausplanen, die dafür zuständig sind. Aber das betrifft mich als Trainer nicht, denn ich bin unmittelbar vom Erfolg abhängig, der vielleicht in den nächsten Monaten oder beim nächsten Turnier erfolgt. Soweit vorausdenken, ist für einen Trainer schwierig.

Aber für den Nachwuchs ist das Heimturnier doch die perfekte Motivation.

Löw: «Das auf jeden Fall. Man konnte schon, als wir 2004 begonnen haben, merken, dass junge Spieler unglaublich bereit waren, bei so einem Turnier dabei zu sein. Da konnte man spüren, diese WM hat alles überstrahlt und für Spieler, die so 16, 17, 18, 19 sind oder auch 20, eine riesige Motivation auslöst.»

Wäre es aus sportlicher Sicht für die Entwicklung der Nationalmannschaft besser, wenn man sich auch für die Heim-EM qualifizieren müsste?

Löw: «Bei 24 Teilnehmern qualifizieren wir uns immer.»

Sie wollten am Montag Mesut Özil in London treffen. Warum hat das nicht geklappt?

Löw: «Mesut war nicht da, von daher müssen wir akzeptieren, dass er aktuell nicht mit uns sprechen will. Die Gründe kenne ich auch nicht.»

Sind Sie enttäuscht, dass es immer noch keinen Kontakt nach der WM zu ihm gab?

Löw: «Logischerweise hätte ich mir gewünscht, dass ein Spieler, mit dem ich so lange zusammengearbeitet habe, mich mal anruft und wenn es nur eine Minute ist. Das hätte ich mir erwartet, gerade von Mesut. Persönlich bin ich darüber enttäuscht, wenn man so lange zusammengearbeitet hat. Und der Mesut war ein Klassespieler, da hätte ich mir ein persönliches Gespräch gewünscht.»

Fotocredits: Harold Cunningham
(dpa)