Löwen in Kielce: Wiedersehen nach Achtelfinal-Eklat

Mannheim – Für Andy Schmid ist das leidige Thema längst erledigt. «Wenn man eine Meisterschaft gewinnt, muss man nach vorne schauen. Und das gilt eben auch für Negativ-Erlebnisse», sagt der Kapitän der Rhein-Neckar Löwen, für die am Samstag ein ganz spezielles Champions-League-Spiel ansteht.

Der Handball-Bundesligist tritt erneut bei Vive Kielce in Polen an, wo die Badener im Königsklassen-Achtelfinale der Vorsaison eine deftige 17:41-Niederlage kassiert hatten – damals allerdings mit ihrer zweiten Mannschaft.

Ihr Drittliga-Team hatten die Löwen wegen eines Terminkonflikts zwischen der Bundesliga (HBL) und dem Europäischen Verband (EHF) zum Hinspiel geschickt, die Amateure waren hoffnungslos unterlegen. Und die Champions-League-Saison für die Löwen erledigt. Die 30:36-Niederlage im praktisch bedeutungslosen Rückspiel interessierte keinen mehr.

Zu diesem Eklat war es gekommen, weil die Partie in Kielce auf den gleichen Tag wie das Bundesligaspiel der Löwen beim THW Kiel angesetzt worden war. Die EHF schlug einen Heimrecht-Tausch in der Königsklasse vor, doch das wollten die Nordbadener nicht. Denn ihnen stand nur donnerstags eine Halle zur Verfügung, samstags mussten sie schon in Kiel ran. Die Pause war ihnen zu kurz, deshalb schenkten sie den europäischen Wettbewerb ab.

«Für uns war das sehr unangenehm, eine zweite Mannschaft zu schicken, da mit Kielce ein Verein darunter gelitten hat, der nun gar nichts dafür konnte. Wir wollten auch nicht einem Wettbewerb den Vorzug geben, mussten es aber», sagt Löwen-Geschäftsführerin Jennifer Kettemann. Dennoch würde es die Managerin unter ähnlichen Voraussetzungen wieder so machen: «Weil die Ausgangslage damals in der Bundesliga vielversprechender war.»

Die Löwen reisten vor sechs Monaten als Tabellenführer nach Kiel und verloren bei den Norddeutschen. Am Ende reichte es auch nicht für die Meisterschaft, ein einziger Punkt fehlte. «Das Schlimmste an diesem ganzen Theater war eigentlich die Niederlage in Kiel», sagt Schmid rückblickend. Der Schweizer denkt aber nicht nur an die Folgen für die Löwen.

«Was da passiert ist, war historisch – und es ist schade, dass wir darin verwickelt wurden. Der gesamte Handball hat sich einen Schaden eingehandelt», sagt Deutschlands Handballer des Jahres 2018. «Vielleicht musste es mal soweit kommen», meint der 35-Jährige, der seit dem Skandal eine größere Kompromissbereitschaft bei HBL, EHF und den Clubs ausgemacht hat. Managerin Kettemann teilt diesen Eindruck. «Die Terminabsprache läuft besser und vorausschauender», sagt sie. Vielleicht klappt es jetzt auch mit dem Sieg in Kielce.

Fotocredits: Uwe Anspach
(dpa)