MSV-Trainer Gruew spielt um seinen Job

Duisburg (dpa)- Vor einem halben Jahr führte Ilija Gruew den MSV Duisburg fast in die Bundesliga, jetzt kämpft der Trainer des Fußball-Zweitligisten um seinen Job.

Nach vier Spielen ohne Punkt und Tor zum Saisonauftakt bemühen sich die Verantwortlichen zwar noch darum, Ruhe auszustrahlen. Doch Gruew weiß, wie brenzlig seine Lage ist: «Es geht nicht darum, wie wir spielen, sondern um Ergebnisse.»

Duisburgs Präsident Ingo Wald stärkt dem Trainer vor dem Spiel am Freitag bei Union Berlin (18.30 Uhr) zwar noch den Rücken. Allerdings sagte er der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» auch: «Wir unterschätzen die Situation keineswegs. Wir sind nicht naiv.» Denn der Verein will nicht riskieren, in eine sportlich möglicherweise aussichtslose Situation zu geraten. Ein Abstieg wäre nämlich auch wirtschaftlich ein schwerer Schlag für den MSV. Es wäre der dritte innerhalb der vergangenen fünf Jahre.

Dabei war die Ausgangssituation vor dieser Saison für Gruew blendend. Nur Stammtorhüter Mark Flekken, der zum SC Freiburg wechselte, hat die Zebras verlassen. Der Rest der Mannschaft, die noch im Frühjahr Kontakt zu den Aufstiegsplätzen hielt, blieb zusammen. Dafür holte Manager Ivica Grlic erfahrene Zweitliga-Spieler wie Richard Sukuta-Pasu und John Verhoek für den Angriff.

Trotzdem wartet der sechstbeste Sturm der vergangenen Saison in dieser Saison auf das erste Tor. Zudem spielt Gruew mit dem Gedanken, den Torhüter austauschen. Der vor der Saison zur Nummer eins erkorene Daniel Davari wackelt zu oft, der Ex-Unioner Daniel Mesenhöler könnte ihn ablösen.

Dass Gruew Krisen lösen kann, hat er bereits bewiesen. Auch nach dem Aufstieg 2017 punktete seine Mannschaft erst zu wenig und blieb im hinteren Tabellendrittel stecken. Doch dann fing sich das Team und verlor zwischenzeitlich nur eines von 13 Ligaspielen. «Ich erwarte, dass wir wieder wie eine Einheit auftreten: Mit Leidenschaft und Mut», fordert Gruew. Es waren diese Werte, die den MSV noch vor ein paar Monaten auf Rang vier führten.

Die fußballerische Qualität ist noch immer da, doch die Vorstellungen zuletzt machten nicht nur den Fans Sorgen. Wald fordert: «Ich erwarte eine Mannschaft auf dem Platz, die alles dran setzt für den Erfolg. Jeder Zuschauer muss sehen: Die Elf hat alles gegeben und noch zehn Prozent mehr.»

Mittelfeldspieler Lukas Fröde fordert derweil, das Team dürfe sich «nicht selbst bemitleiden». Auch der 23-Jährige sieht die Spieler in der Verantwortung, fordert «Grundtugenden» wie «Kampf und Laufbereitschaft». Fröde gibt zu, die Nackenschläge seien «nicht so einfach wezustecken» gewesen. Dennoch glaubt Fröde an eine Chance in der Hauptstadt: «Wir haben genug Lehrgeld bezahlt.»

Fotocredits: Monika Skolimowska