Parallelen zwischen Ski-WM und dem Fall Fuentes

Berlin – Eigenblutdoping, Blutbeutel, staatliche Ermittlungen – da war doch schon einmal etwas… Der Dopingfall bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Seefeld weist einige Parallelen zum Skandal um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes im Jahr 2006 auf.

Dessen Fall endete zehn Jahre später vor einem Madrider Berufungsgericht mit einem Freispruch.

Der Dopingjäger Werner Franke bezeichnete den verhafteten Erfurter Mediziner Mark S. im «Welt»-Interview nun als «deutschen Fuentes». Und der österreichische Sportmanager Stefan Matschiner, der 2010 wegen versuchten Blutdopings und der Weitergabe von illegalen Dopingmitteln zu einer Haftstrafe verurteilt worden war, sagte jetzt im Interview der «Oberösterreichischen Nachrichten» auf die Frage nach einem möglichen Netzwerk, zu dem auch andere Sportarten gehören: «Das könnte wie bei Fuentes sein, ich gehe jedenfalls zu 100 Prozent davon aus.» Im aktuellen Fall sind es aber noch Mutmaßungen, ob es sich tatsächlich um ein Netzwerk von großen Ausmaßen handelt.

DOPINGMETHODE – Im Fall Erfurt/Seefeld geht es jetzt wie vor 13 Jahren in Spanien um Eigenblutdoping. Dabei lässt sich der Sportler bis zu einem Liter Blut abnehmen. Es wird konserviert und tiefgekühlt gelagert. Der Blutverlust regt den Körper dazu an, neue rote Blutkörperchen zu bilden – oft verstärkt durch das Hormon EPO. Haben sich die Blutwerte einige Wochen später wieder normalisiert, wird das Eigenblut wieder zugeführt. Dadurch steigt die Konzentration der Blutkörperchen. Dieses durch den Welt-Anti-Doping-Code verbotene Verfahren wirkt vor allem bei Ausdauersportarten.

BLUTBEUTEL – Bei der Durchsuchung mehrerer Gebäude in Madrid und Saragossa stellte die spanische Polizei im Mai 2006 mehr als 200 Beutel mit Blutkonserven sowie Apparate für Blutdoping, umfangreiche Karteien und Aufzeichnungen sicher. In Erfurt waren bei den Razzien laut «Frankfurter Allgemeine» nun mehr als 40 Blutbeutel sichergestellt worden. Die «Süddeutsche Zeitung» berichtete von mindestens einigen Dutzend kühl gelagerter Blutbeutel. Angeblich seien diese mit Tarnnamen versehen gewesen, hieß es. So war es auch bei Fuentes, «Bella» stand zum Beispiel für den geständigen Radprofi Jörg Jaksche.

ÄRZTE – Im Mittelpunkt des aktuellen Skandals steht als Beschuldigter der Sportmediziner Mark S. aus Erfurt, für den freilich die Unschuldsvermutung gilt. Nach der Festnahme entzog der Landessportbund Thüringen der betroffenen Arzt-Praxis mit sofortiger Wirkung die Lizenz als «Sportmedizinische Untersuchungsstelle». Der aus Las Palmas stammende Fuentes war Gynäkologe. Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention hat sich in Anbetracht der Festnahmen bei der Ski-WM «von jeglicher Dopingpraxis» distanziert.

STAATLICHE ERMITTLUNGEN – Damals wie heute gingen Behörden gegen Doping-Machenschaften vor. In Spanien hieß die Aktion, die sich zunächst vornehmlich gegen den Radsport richtete, «Operacion Puerto» (Operation Bergpass). Die Razzia bei der Ski-WM in Seefeld trug die gleichermaßen poetische Bezeichnung «Operation Aderlass». Spanien hatte damals gerade ein Anti-Doping-Gesetz erlassen. In Deutschland gibt es seit 2016 ein Anti-Doping-Gesetz. Dopende Sportler und ihre Hintermänner müssen seitdem mit Haftstrafen rechnen. In Österreich ist Doping ein Straftatbestand.

RADSPORT UND MEHR – 2006 dreht sich zunächst alles um Radprofis. Das Team T-Mobile schloss Jan Ullrich in der Folge der Ermittlungen vom Tour-de-France-Start in Straßburg aus. Auch andere Sportarten wie Fußball, Leichtathletik und Tennis gerieten unter Verdacht, doch es mangelte an Beweisen. Verurteilt wurden nur Radrennfahrer. Jetzt geht es zunächst um Skilanglauf. Doch Mark S. waren in seiner früheren Rolle als Radsport-Teamarzt schon Doping-Machenschaften vorgeworfen worden, er wies die Vorwürfe stets zurück. In seiner Praxis soll er Fußballer, Schwimmer, Radsportler, Gewichtheber, Handballer und Leichtathleten behandelt haben. Beweise für Doping an ihnen liegen bislang nicht vor.

Fotocredits: Fabian Stratenschulte
(dpa)

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