RB Leipzig kämpft um Werner – Rangnick holt Keita-Ersatz

Leipzig – 31 Punkte, Überwintern auf einem Champions-League-Platz und Wunschspieler Amadou Haidara auf der Weihnachtsfeier präsentiert – nur die Personalie Timo Werner sorgt bei Cheftrainer Ralf Rangnick und RB Leipzig weiter für Verdruss.

Befeuert wurde der selbst vom Nationalstürmer ins Spiel gebrachte Wechsel zum FC Bayern von weiteren Lobeshymnen durch dessen Sportdirektor. «Er trifft am laufenden Band», meinte Hasan Salihamidzic am Samstag. Beim 3:2 gegen Werder Bremen hatte Werner seinen elften Treffer in der Bundesliga erzielt, mehr als jemals zuvor zu diesem Zeitpunkt.

Rangnick sagte beim TV-Sender Sky fast trotzig: «Ich kann keinen Flirt erkennen.» Er kämpft weiter um seinen Vorzeigespieler, der die beste Hinrunde seiner Karriere spielte: «Timo wird sich über Weihnachten ein paar Gedanken machen und dann sehen wir weiter. Dann ist er am Zug und wird uns sagen, ob er seine Zukunft weiter langfristig bei uns sieht.» Für den Sportdirektor und Trainer ist die Marschrichtung klar. «Ich sehe seine Zukunft bei uns, weil seine Stärken zu unserem Fußball passen. Es ist nicht gegeben, dass das überall woanders auch so passiert.»

Auch RB-Vorstandsvorsitzender Oliver Mintzlaff warb am Sonntag beim «Doppelpass» auf Sport1 für einen Verbleib des Stürmers mit einem geschätzten Marktwert von 65 Millionen Euro: «Er hat klar gezeigt, dass er sich hier weiterentwickelt und sich bei uns wohlfühlt. Wir werden den Teufel tun und es nicht jede Woche neu kommentieren und sagen, dann gibt es eine Antwort. Fakt ist, dass wir ein Angebot auf den Tisch gelegt haben und Gespräche in aller Ruhe führen.» Zudem kommt mit Julian Nagelsmann nächste Saison «einer der spannendsten Trainer, den es in Deutschland gibt».

Glücklich, aber ausgelaugt schlichen die Leipziger nach dem hartumkämpften Sieg gegen Bremen vom Platz – endlich Urlaub. Symbolisch das Bild in der 58. Minute: Dauerbrenner Kevin Kampl sackte ohne Gegnereinwirkung einfach kraftlos zusammen und ließ sich erschöpft auf den nassen Rasen fallen. Er hatte vier Wochen mit gebrochenem kleinen Zeh gespielt. «Er musste dann für jedes Spiel fitgespritzt werden», meinte Rangnick.

Selbst Energiebündel Diego Demme war einfach nur platt. «Uns sind die Kräfte etwas ausgegangen. Doch nach dem 2:2 haben wir nochmal alles aus den letzten Zellen gehauen», meinte Demme und freute sich auf den Urlaub. Wohlwissend um die Dauerbelastung nach 31 Pflichtspielen inklusive Europa-League-Qualifikation präsentierte Rangnick auf der Vereins-Weihnachtsfeier sein Geschenk. Mit Haidara von RB Salzburg kommt sein Wunschspieler.

Der 20-jährige Nationalspieler aus Mali unterschrieb einen Vertrag bis 2023 und gilt als Keita-Ersatz. «Es gibt in seinem Alter nicht viele Spieler, die über so großes Potenzial verfügen. Er bringt alle Voraussetzungen mit, um die Nachfolge von Naby Keita anzutreten», sagte Rangnick. Zuvor hatte er schon den 19-jährigen Tyler Adams von Red Bull New York verpflichtet.

Mit der weiteren Talentoffensive will RB die anvisierte Champions-League-Qualifikation nicht mehr herschenken. «Wir haben uns eine Super-Ausgangslage für die Rückrunde erarbeitet. Wir sind eine richtige Einheit auf dem Platz geworden», sagte Demme. Dabei musste Rangnick über zwei Monate ohne Emil Forsberg (Leistenprobleme) auskommen. Er soll im Januar wieder eingreifen. Dann kommt auch ein anderer, besserer Rhythmus. «Wir können nun in der Rückrunde wochenlang trainieren wie die meisten anderen Teams auch. Für unsere junge Mannschaft ist das wichtig, um sich weiterzuentwickeln.»

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(dpa)