«Rohdiamant» Imoudu holt zweiten Titel – Koch Dritter

Berlin – Marco Koch wollte am Tag vor seiner letzten EM-Chance nichts sagen. Über 100 Meter hatte er beim Sieg von Youngster Melvin Imoudu Rang drei belegt, doch das war für ihn zweitrangig.

«Morgen» werde er sich äußern, sagte der Brustschwimmer lächelnd und verschwand in den Katakomben der Berliner Schwimmhalle im Europasportpark. Am Samstag gilt’s bei den deutschen Meisterschaften über die doppelte Distanz, auf der Koch 2015 Weltmeister geworden war. Nur mit einer ganz starken Leistung kann der bisher nicht nominierte Darmstädter Chefbundestrainer Henning Lambertz davon überzeugen, ihn doch noch mit zu den Europameisterschaften zu nehmen.

Am Freitag glänzten in der Bundeshauptstadt andere. Imoudu zum Beispiel, der mit seiner Zeit von 1:00,66 nicht nur Koch, sondern auch Titelverteidiger Christian vom Lehn hinter sich ließ. «Ich habe keine Ahnung, wie das passieren konnte», sagte der 19-Jährige völlig aus der Puste, aber happy. «Marco, Christian und die ganzen starken Leute jetzt geschlagen zu haben, ist wirklich der Hammer.»

Lambertz sagte über den Potsdamer: «Er ist ein super Typ, hat unglaubliche Talente, ist aber noch ein ungeschliffener Rohdiamant.» Die EM komme für Imoudu, der bereits am Vortag Meister über 50 Meter geworden war, noch zu früh.

Nicht zu früh kommt die EM aus Sicht des Chefbundestrainers für Ramon Klenz. Nachdem der Schmetterlingsspezialist einen Tag zuvor in 1:55,76 Minuten den deutschen Uralt-Rekord von Michael Groß über 200 Meter geknackt hatte, bestätigte Lambertz die Belohnung für die Bestmarke des 19-jährigen Hamburgers und berief ihn in den deutschen Glasgow-Kader.

«Ich bin immer noch nicht so weit, dass ich das realisiert habe», sagte Klenz fast genau 24 Stunden nach seiner Traumvorstellung zu seinem Rekord. Auf seiner Nebenstrecke 400 Meter Lagen gewann er am Freitag seinen zweiten Meistertitel. Julia Hassler (800 Meter Freistil) und Anna Elendt (100 Meter Brust) waren ebenfalls jeweils zum zweiten Mal bei den 130. Titelkämpfen erfolgreich.

Gleich zwei Meisterehren an einem Tag sicherte sich Damian Wierling. Zunächst verteidigte der 22-Jährige seinen Titel über 100 Meter Freistil in 48,89 Sekunden erfolgreich und siegte wenige Minuten später auch auf der 50-Meter-Schmetterlingsstrecke (23,54).

Über 800 Meter Freistil löste der 20-jährige Magdeburger Florian Wellbrock (7:51,58) Vorjahressieger Rob Muffels, der nicht am Start war, als Meister ab. Wellbrock gehört zu den 32 deutschen Beckenschwimmern, die ihr EM-Ticket bereits sicher haben. Er kann die deutschen Meisterschaften als Standortbestimmung zur Vorbereitung nutzen – ganz anders als Marco Koch.

Fotocredits: Klaus-Dietmar Gabbert
(dpa)