Sechs-Punkte-Beute überstrahlt Nürnberger 0:7-Debakel

Nürnberg – Erleichtert und stolz traten die Profis des 1. FC Nürnberg vor die jubelnden Fans und ließen sich minutenlang in der Kurve feiern.

Auf einer rasanten Achterbahnfahrt durch die englische Woche der Fußball-Bundesliga lagen für den «Club» nur 67 Stunden zwischen dem Untergang beim 0:7 in Dortmund und der sportlichen Wiederauferstehung gegen Fortuna Düsseldorf. «Der FCN ist wieder da», riefen die versöhnten Anhänger nach dem 3:0 (1:0). Und Federico Palacios, der als Joker das dritte Tor erzielt hatte, schwärmte: «Das schaffen nicht viele Mannschaften, so zurückzukommen!» In der Tat.

2:0 gegen Hannover, 0:7 in Dortmund, 3:0 gegen Düsseldorf – «die englische Woche können wir als gut bezeichnen», resümierte Torwart Fabian Bredlow eher nüchtern. Die Sechs-Punkte-Ausbeute überstrahlte am Ende auch die höchste Nürnberger Bundesliga-Niederlage drei Tage zuvor. «Wir haben eine extrem charakterstarke Mannschaft. Mit acht Punkten liegen wir jetzt voll im Soll», erklärte Michael Köllner.

Der Trainer hatte einen psychologischen Kniff gewählt. Köllner verzichtete auf eine eingehende Analyse des Desasters gegen den BVB. «Man muss die Spieler nicht unnötig quälen», begründete er. Vielmehr richtete der 48-Jährige den Fokus ganz auf das Aufsteigerduell, eine goldrichtige Entscheidung. «Die Mannschaft hat sich belohnt für ein sehr kühles, sehr nüchternes Spiel», lobte Köllner. Der Sieg war trotz der Tore von Hanno Behrens (28. Minute/Foulelfmeter), Mikael Ishak (64.) und Palacios (74.) keine Fußball-Gala, sondern das Resultat hoher defensiver Stabilität und offensiver Effektivität.

«Rucksack? Es sah von außen vielleicht so aus. Aber das 0:7 hat uns gar nicht gehemmt. Wir haben Charakter gezeigt», tönte Kapitän Behrens. Köllner sprach von einem «Lernspiel» gegen Dortmund. Es war für das unerfahrene «Club»-Team ein Schlüsselerlebnis. Eines, an dem es reifen konnte. «Sieben Dinger in Dortmund zu fressen, hat extrem weh getan», bemerkte der stark haltende Bredlow. «Nach so einem Spiel zu punkten, zu gewinnen, ist extrem wichtig», betonte der Torwart.

Weniger Torschüsse, weniger Ballbesitz, weniger Flanken, sogar weniger gewonnene Zweikämpfe – bei fast allen Spieldaten war der «Club»-Wert der schlechtere. Aber bei den Toren lagen die Franken vorne. «Wir haben gezeigt, dass wir Fußball spielen können», sagte Torjäger Ishak.

Dieses Urteil traf in der ersten Saisonphase auch auf die Fortuna zu. Aber in Nürnberg erwischte Friedhelm Funkels Team «keinen guten Tag», wie der Trainer sagte: «Wir haben viele schlechte Entscheidungen getroffen. Und wir haben Gegentore bekommen, die wir so nicht bekommen dürfen.» Vor dem Elfmeter leistete sich Dodi Lukebakio ein dummes Foul an Tim Leibold. Beim 2:0 verlängerte Kapitän Adam Bodzek den Ball mit dem Kopf in den Lauf des Torschützen Ishak. «Wir wussten, dass es solche Spiele gibt in der Saison», meinte Marvin Ducksch.

Entscheidend sind die Lehren, die aus Misserfolgen gezogen werden. «Wir haben viel gelernt aus dem brutalen 0:7 in Dortmund. Zu Null zu spielen war heute sehr wichtig», hob Stürmer Ishak hervor. Gerade gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg war die Reaktion wichtig. «Düsseldorf ist eine Mannschaft, die eher auf unserem Niveau ist», sagte Kapitän Behrens. Köllners Erkenntnis am Ende einer Woche, die in die bewegte «Club»-Historie eingehen wird, lautete: «Die Bundesliga ist für uns ein brutaler Wettbewerb.»

Fotocredits: Timm Schamberger
(dpa)