Tygart kritisiert WADA-Ankündigung zu Russland

Washington – US-Dopingjäger Travis Tygart hat die Empfehlung der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, die Suspendierung der russischen RUSADA aufzuheben, heftig kritisiert.

«Offen gesagt, das stinkt zum Himmel», meinte der Chef der amerikanischen Anti-Doping-Agentur. «Heute hat die WADA der Welt unmissverständlich gesagt, was für eine Art Organisation sie ist: eine, die die Wünsche einer Handvoll Sportfunktionäre gegen die Rechte von Millionen sauberer Athleten unterstützt.»

Der Compliance-Prüfungsausschuss der WADA hatte am Vortag eine entsprechende Empfehlung abgegeben. Die RUSADA darf damit nach fast drei Jahren auf die Aufhebung der Suspendierung hoffen. Die WADA-Exekutive wird sich am 20. September bei ihrer Sitzung auf den Seychellen mit der Empfehlung beschäftigen.

Wie die WADA mitteilte, sieht das Gremium die zwei noch offenen Kriterien von der RUSADA als erfüllt an. Demnach habe das russische Sportministerium die im Zuge des Dopingskandals identifizierten Probleme anerkannt. Außerdem sei Russland bereit, unabhängigen Experten Zugang zum Labor in Moskau und den darin befindlichen Daten und Proben zu gewähren.

Kritik kam nicht nur aus den USA. In einem Brief an WADA-Präsident Craig Reedie protestierte eine Gruppe britischer Athleten, die angekündigte Entscheidung wäre «eine Katastrophe für den sauberen Sport». Auch Kanada und die USA unterzeichneten das Schreiben.

Die RUSADA hatte 2015 im Skandal um massenhaftes Doping im russischen Sport ihre Anerkennung durch die WADA verloren. Aus diesem Grund waren russische Sportler auch bei den Winterspielen in Pyeongchang nur ohne eigene Flagge und Hymne sowie in neutraler Teamkleidung zugelassen. Kurz nach Olympia hatte das IOC die Sanktionen wieder aufgehoben.

Russische Leichtathleten dürfen dagegen bei internationalen Wettkämpfen nur als «zugelassene neutrale Athleten» (ANA) starten. Würde die Suspendierung auch vom Weltverband IAAF aufgehoben, könnten im nächsten Jahr russische Teams unter anderen an der Hallen-EM in Birmingham (1. bis 3. März) und an den Weltmeisterschaften in Doha/Katar (28. September bis 6. Oktober) teilnehmen.

Fotocredits: Maja Hitij
(dpa)