U21-Coach Kuntz: Zu stark Trends hinterhergelaufen

Ingolstadt – U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz hat auf Versäumnisse in der Nachwuchsarbeit im deutschen Fußball hingewiesen.

«Wir sind zu stark den Trends der Topmannschaften hinterhergelaufen. Ballbesitzfußball, spielender Mittelstürmer, hängende Neun. Dabei haben wir Basics vergessen. Zweikämpfe führen, Flanken schlagen, im „Eins gegen eins“ bestehen. Beidfüßigkeit, Tempodribbling und Wachsamkeit – das kann jeder lernen», sagte Kuntz in einem Interview der «Augsburger Allgemeinen».

«Bevor man versucht, Schüsse von Ronaldo nachzumachen, sollte man Grundlegendes trainieren. Die Zusage für die EM 2024 muss der Startschuss sein. Weil wir jetzt auf Spieler Einfluss nehmen können, die dann erfolgreich spielen sollen», sagte der 55-jährige Kuntz.

Kuntz mahnte den Rückgang an hochklassigen jungen Spielern an. «Früher hatten wir in jedem Jahrgang sieben Ausnahmetalente, jetzt sind es zwei. Und Bundesligisten holen im Nachwuchs verstärkt Spieler aus dem Ausland – auch wenn sie das Talent aus der Nachbarschaft bevorzugen. Fakt ist: In zwei, drei Jahren könnten wir auf ein Tal zusteuern», warnte der Europameister von 1996.

«Es gibt nicht die eine Stellschraube, an der man dreht und alles wird gut», sagte Kuntz in einem Interview mit der Funke-Mediengruppe. «Der DFB hat einen Vorteil: Im Grunde sind wir wie eine neutrale Beratungsstelle. Wir geben Feedback ohne eigenes Interesse.»

Angesprochen auf die Rassismus-Debatte um Mesut Özil betonte Kuntz, dass nirgendwo mehr und besser integriert werde als im Fußball. Dass die Affäre um Özil so eine Bedeutung einnehmen würde, hätte er nie gedacht, sagte der Coach. «Ich will gar nicht das Foto an sich bewerten. Aber meiner Meinung nach hätte Mesut diese Sache schneller und besser klären können.»

Fotocredits: Nicolas Armer
(dpa)