Thole/Wickler die neuen Hoffnungsträger im Beachvolleyball

Hamburg – Die deutschen Beachboys werden plötzlich wieder gefeiert, die Youngster Julius Thole und Clemens Wickler sind die große Entdeckung beim Welttour-Finale in Hamburg.

Nach dem grandiosen Olympiasieg von Julius Brink und Jonas Reckermann 2012 in London und deren anschließendem Rücktritt verschwand die schwarz-rot-goldene Beachvolleyball-Männerabteilung international in der Versenkung. Zwar holten die Berliner Kay Matysik und Jonas Erdmann vor fünf Jahren nochmal WM-Bronze, doch die Tendenz ging nach unten. «Das war eine sportliche Delle, aber jetzt sind wir aus der Talsohle raus», glaubt Goldjunge Brink.

Hauptgrund für die neuen Hoffnungen, dass die Männer bald wieder dem Erfolgskurs der deutschen Frauen folgen können, ist die Entwicklung von Thole/Wickler. Der 21 Jahre junge Hamburger Thole und der zwei Jahre ältere Bayer Wickler, als Weltranglisten-25. nur durch eine Wildcard am Start, hielten beim Treff der Weltelite im Stadion am Rothenbaum nicht nur mit. Sie gewannen überraschend drei Gruppenspiele gegen internationale Topteams und verpassten den direkten Halbfinaleinzug nach einem 0:2 gegen Polen nur aufgrund des schlechteren Punkteverhältnisses.

Das Viertelfinale aber ist schon ein großer Erfolg. «Die Entwicklung haben wir nicht ganz erwartet», sagte Jura-Student Thole. Seit Januar trainiert er mit seinem Partner am zentralen Stützpunkt des Deutschen Volleyball-Verbandes in der Hansestadt. «Das zahlt sich aus», betonte Olympiasieger Brink. Chefbundestrainer Martin Olejnak und Bundestrainer Eric Koreng (Olympia-Fünfter 2008) gaben dem Duo in kurzer Zeit eine neue Qualität.

Das Welttour-Abenteuer begann mit internen deutschen Ausscheidungen. Zehnmal mussten Thole/Wickler durch die internationale Qualifikation, scheiterten in China, den USA sowie in Doha und mussten gleich wieder nach Hause. Allein 30.000 Euro haben beide für 2018 als Reisekosten veranschlagt. Der Verband hilft mit einem Anteil, bezahlt auch die Trainer und die medizinische Betreuung. «Wir sind das langfristig angegangen», sagte der 2,06 Meter große Blockspezialist Thole.

Beim Olympiastützpunkt Hamburg nutzen Thole/Wickler auch mit das Know-how der Olympiasiegerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst. Als die Sportpsychologin Anett Szigeti, die für die Golden Girls arbeitet, die jungen Männer nach Ostava zum Vier-Sterne-Turnier begleitete, gelang das erhoffte Aha-Erlebnis. In der Qualifikation lagen sie schon wieder weit zurück – drehten aber noch das Spiel, das Turnier (5. Platz) und dann die Saison. «Der Schlüssel ist Ruhe und Selbstbewusstsein», sagte Thole.

Für den 1,91 Meter großen Wickler ist das Jahr noch ein spezielles. 2015 und 2017 war er mit anderen Partnern schon deutscher Meister. Doch Verletzungen warfen ihn immer wieder zurück. «Ich war praktisch zwei Jahre weg», berichtete der Profi vom Starnberger See. Erst nach einer Operation im September des Vorjahres ging es bergauf. «Wir sind jung und wollen mehr. Das ist normal», erklärte Wickler nun. Den Aufwind von Hamburg muss er mit seinen Partner nun bestätigen, um sich vielleicht sogar den Traum von Olympia 2020 zu erfüllen.


(dpa)

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