Aus dem Schatten gesprungen: Freitag hat «tierisch Spaß»

Titisee-Neustadt – Der Bart bleibt. Aus Aberglaube? Nein, mit seinem sportlichen Höhenflug hat der markante Schnäuzer nichts zu tun, beteuert Richard Freitag.

«Grundsätzlich ist es Lust und Laune, dass er jetzt dranbleibt», stellt der Sachse vor dem deutschen Heim-Weltcup in Titisee-Neustadt im Schwarzwald klar. 

Seinen Oberlippenbart ließ Freitag zunächst für einen guten Zweck wachsen. Für den «Movember», eine karitative Idee, bei der Männer im November für die Erforschung und Vorbeugung von Männer-Krankheiten Spenden sammeln. Da dachte sich Richard Freitag: «Warum eigentlich nur einen Monat im Jahr auf die Gesundheit hinweisen?»

Auch die Skisprung-Szene hat die Veränderung des 26-Jährigen wahrgenommen. Mit seinem Schnäuzer sieht Freitag nicht nur viel entschlossener und kampfeslustiger aus, er hat auch sportlich einen Saisonstart hingelegt, der furchteinflößend war.

«Wir haben ein cooles Gefüge im Team, einen coolen Lauf», sagte Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Er selbst hat dabei den besten Lauf. Nach den Plätzen eins und zwei im russischen Nischni Tagil führt er den Gesamtweltcup an. «Momentan macht mir Skispringen tierisch Spaß», sagt Freitag. Er sagt das nach fast jedem Sprung – für die DSV-Adler und Bundestrainer Werner Schuster ein gutes Zeichen.

Der bescheidene Sachse, der seit Jahren zur erweiterten Weltspitze zählt, betont stets den Teamgedanken. In Titisee-Neustadt im Schwarzwald wird Freitag aber im Mittelpunkt stehen wie selten zuvor. «Er hat eine richtige Freude und hat sich in Russland schon belohnt. Er hat eine Riesenqualität», sagt Trainer Schuster über seinen derzeit besten Schützling. Für den Österreicher sieht die Situation trotz des Kreuzbandrisses von Olympiasieger Severin Freund rosig aus: Neben Freitag scheinen auch Andreas Wellinger und Markus Eisenbichler Siegspringer zu sein.

Der Konstanteste von ihnen ist zum Start in den Olympia-Winter Freitag. Das liegt auch an einem Ortswechsel in diesem Sommer. Aus Sachsen zog es ihn ins Allgäu, er trainiert jetzt mit seinen Kollegen in Oberstdorf.

«Ich fühle mich wohl und hoffe, dass ich durch das häufigere Heimtraining mit der A-Mannschaft vor allem auf technischer Ebene Fortschritte machen kann», begründete Freitag den Wechsel. Für Schuster ist die gewünschte Weiterentwicklung schon eingetreten. «Er hat sich jetzt stabilisiert. Es hat im Sommer noch nicht so nach Sieg ausgesehen. Es ist jetzt viel mehr Gleichmäßigkeit in den Sprüngen drin», sagte der Trainer. Weniger Reisestress und eine direkte  Anbindung an die Kollegen: Freitag will langfristig im Süden bleiben: «Ein Standortwechsel ist nicht das leichteste.»

Der Mixed-Team-Weltmeister von 2015 scheint ihn genau zum richtigen Zeitpunkt vollzogen zu haben. Mit der Vierschanzentournee, den Olympischen Spielen und einer Skiflug-WM in Oberstdorf warten die Höhepunkte in diesem Winter so dicht gestaffelt wie selten auf die  DSV-Adler. «Ich habe von vornerein gesagt, dass es eine vollgepackte  Saison ist mit mehreren Höhepunkten», sagte Freitag. Doch was zählt denn nun zuerst? «Eins nach dem anderen. Erstmal Weihnachten.» 


(dpa)

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