China und Katar in WM-Quali vor dem Aus

Peking/Doha – Vom großen Fußball träumen China und Katar schon lange, doch die sportliche Gegenwart könnte in beiden Ländern trister kaum aussehen.

Die letzten Hoffnungen auf die WM-Teilnahme in Russland könnten sich für die ehrgeizigen Fußball-Entwicklungsländer schon am Dienstag zerschlagen. Scheitern beide Nationen wie erwartet in der Qualifikation für das Turnier im kommenden Jahr, scheitern auch zwei ambitionierte Projekte. Zumindest vorerst.

Peking und Doha pumpten in der Vergangenheit viel Geld in den Aufbau einer fußballerischen Infrastruktur. Die Chinesen holten sich sogar den italienischen Weltmeister-Trainer Marcello Lippi als Coach, sportlichen Erfolg brachte das bisher aber nicht. Alle drei ausstehenden Spiele müssten gewonnen werden, damit sich das Team noch auf den dritten Platz retten kann, von dem dann über eine weitere Relegation die Endrunde noch erreicht werden könnte. Gleichzeitig müsste das derzeit drittplatzierte Usbekistan alle Spiele verlieren.

Große Hoffnungen macht sich in China aber schon für die nächste Partie am Dienstag gegen Syrien kaum jemand mehr. «Niemand rechnet mehr damit, unser Team tatsächlich in Russland zu sehen», sagte der bekannte chinesische Fußballkommentator Yan Qiang. Bereits das Hinspiel hatten die Chinesen mit 0:1 verloren, jetzt fehlen auch noch zahlreiche Stammkräfte wegen Verletzungen. Lippi aber wird wohl vorerst bleiben dürfen.

Auch im Golf-Emirat Katar ist die Fußball-Stimmung derzeit alles andere als auf dem Höhepunkt. Das große Ziel ist zwar nach wie vor ein erfolgreiches Abschneiden bei der WM 2022 im eigenen Land. Aktuell sieht es dagegen düster aus. Mit nur vier Punkten aus sieben Spielen hat Katars Nationalelf kaum noch eine Chance, sich für das Turnier in Russland zu qualifizieren. Sollte am Dienstagabend im Heimspiel gegen den Tabellenzweiten Südkorea kein Sieg gelingen, wäre das Team aus dem Rennen.

Zudem gibt es derzeit große Diskussionen um das Prestige-Projekt 2022. Die scharfen Sanktionen seiner Nachbarn Saudi-Arabien, Bahrain und Vereinigte Arabische Emirate (VAE) haben Diskussionen ausgelöst, ob das Turnier in fünf Jahren überhaupt in Katar ausgetragen werden kann. Das Emirat wähnt zwar FIFA-Präsident Gianni Infantino hinter sich – doch sollten die anderen Golfstaaten bei ihrem harten Kurs bleiben, dürfte die Debatte lauter werden.

Trotz der gedämpften Hoffnungen in beiden Ländern: Das Geld wird weiter in den Sport fließen. Die chinesische Wanda Group wurde FIFA-Sponsor, als der Weltverband so richtig im Skandalsumpf steckte. Qatar Airways steht mittlerweile auch auf der Liste der Geldgeber des Weltverbandes.

Für die WM 2030 gilt China als Gastgeber-Favorit. Man will zu einer neuen Größe im internationalen Fußball werden. Bis 2020 soll für 30 Millionen Schüler an Grund- und Mittelschulen regelmäßig Fußball auf dem Lehrplan stehen. 20 000 Schulen sollen bis dahin auf Fußball spezialisiert sein. Zudem sollen im ganzen Land 70 000 Fußballfelder entstehen.

Auch Katar setzt auf die Ausbildung von Talenten. Mit seinem Reichtum hat das Emirat die Aspire Academy aufgebaut, ein Nachwuchszentrum. Der Träger, die Aspire Zone Foundation, sorgte in Europa für Schlagzeilen, weil sie mit dem KAS Eupen einen mittlerweile erstklassigen Club in Belgien übernommen hat, der oft als «Katars Farmteam» bezeichnet wird. Zu dem Verein werden vor allem junge Spieler aus Afrika, aber auch Talente aus Katar transferiert.


(dpa)

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