Der dritte Mann: Bottas will Hauptrolle im F1-Titelrennen

Budapest – Im Hochglanz-Titelduell der Formel 1 ist Valtteri Bottas der dritte Mann. Das WM-Duell der Champions Sebastian Vettel und Lewis Hamilton elektrisiert seit Monaten die PS-Gemeinde, doch Mercedes-Neuzugang Bottas hat zur Saisonmitte längst die Rolle des Nebendarstellers verlassen.

Sollten die beiden nur durch einen Zähler getrennten Spitzenfahrer am Sonntag in Ungarn punktlos bleiben, könnte der Finne mit einem Sieg sogar als WM-Führender in die Sommerpause gehen. Weltmeister statt Wasserträger, dafür ist Bottas in den Silberpfeil gewechselt. «Was soll man sich sonst als Ziel setzen», sagt der 27-Jährige.

Vettel und Hamilton spüren den Druck von Bottas, der nach einem durchwachsenen Saisonstart schon zwei Siege gesammelt hat und nur noch 23 Punkte hinter der Spitze liegt. «Ich hatte ihn immer auf der Rechnung», beteuert Ferrari-Fahrer Vettel. Seit seinem Defektpech in Spanien hat Bottas in den jüngsten fünf Rennen mehr Punkte als jeder andere eingefahren, unaufgeregt und nahezu fehlerlos. «Valtteri hatte seinen Ausfall schon, wir noch nicht», meint Teamkollege Hamilton mit Blick auf die oft wechselhaften Verläufe einer Saison.

«Er besitzt eine starke Arbeitsmoral, eine unbeugsame Herangehensweise und ein riesiges Talent» schwärmt Mercedes-Teamchef Toto Wolff über Bottas. Auf seinem Weg in die Formel 1 beriet der Österreicher den Finnen als Manager, ehe er ihn als Ersatz nach dem Abschied von Nico Rosberg für viele Millionen bei Williams abwarb. «Er hat sich seinen Platz verdient und wird weiter wachsen», sagt Hamilton. Der Brite pflegt zu Bottas eine deutlich entspanntere Beziehung als zu Rosberg, noch zumindest. «Valtteris Energie hilft dabei, eine tolle Harmonie zu schaffen», dichtet Hamilton.

Auch deshalb deutet vieles darauf hin, dass Mercedes den am Saisonende auslaufenden Einjahresvertrag mit Bottas bald verlängern wird. Das sei «fast ein Selbstläufer», versichert Teamchef Wolff. Noch allerdings warten die Rennstall-Bosse auf die Entscheidungen von Hamilton, der trotz bis 2018 laufenden Vertrags zuletzt öfter mit Rücktritt kokettierte, und vor allem Vettel, der wohl bald für weitere Jahre bei Ferrari unterschreiben wird. «Es geht nicht nur um die Saison 2018. Es geht auch darum, wie sich das Feld in den Jahren 2019 und 2020 verändert, es geht um das Abwägen von Risiken und Gelegenheiten», erklärt Wolff.

Im ganz großen Spiel ist Bottas noch keine Königsfigur. Doch mit jedem Sieg, jeder Parforce-Fahrt wie zuletzt in Baku, Spielberg und Silverstone erhöht der Mann aus Nastola seinen Wert. «Mein Standpunkt hat sich nicht geändert – ich will auf Jahre hinaus für Mercedes Rennen fahren», sagt Bottas, der als vierter Finne nach Keke Rosberg, Mika Häkkinen und Kimi Räikkönen den Titel holen könnte. Ein Außenseiter-Tipp zumindest ist Bottas inzwischen nicht mehr.


(dpa)

(dpa)