DVV-Frauen haben «unglaubliche» Olympia-Sehnsucht

Apeldoorn – Felix Koslowski und seine Frau sind ein eingespieltes Team. So bezeichnet es der Bundestrainer der deutschen Volleyballerinnen selbst. Drei Kinder hat das Paar schon, und das vierte ist unterwegs.

Bisher sei er bei der Geburt immer dabei gewesen, erzählte der mit 35 Jahren immer noch sehr junge Trainer. «Sehr gerne» wolle Koslowski seiner Frau wieder beistehen. Dem Paar könnte da aber die Olympia-Qualifikation dazwischenkommen.

Während die deutschen Männer in Berlin um das letzte Ticket für Tokio kämpfen, bestreiten die deutschen Frauen ihre Knallhartpartien in Apeldoorn in den Niederlanden. Auch für Koslowskis Mannschaft gilt: Nur der Gewinner des Achterturniers darf nach Japan reisen.

Letztmals waren deutsche Volleyballerinnen 2004 beim größten Sportereignis der Welt vertreten. «Jeder hat die unglaubliche Sehnsucht», Olympia zu erleben, erzählte der Vereinstrainer des SSC Schwerin vor dem schweren Auftakt am Dienstag (13.00 Uhr) in Gruppe B gegen den EM-Zweiten Türkei um Koslowskis früheren Lehrmeister und Bundestrainer Giovanni Guidetti. «Olympia in Tokio ist unser größter Traum», beteuerte auch Zuspielerin und Spielführerin Denise Hanke.

Fünf Partien in sechs Tagen warten im Idealfall auf Deutschland. Nach der Türkei stehen Kräftemessen mit Belgien und Kroatien an. «Die Türkei wird nicht unser Do-or-Die-Spiel, Kroatien und Belgien werden es», meinte der Bundestrainer über die wegweisenden Spiele in der Vorrunde. «Wenn man es ins Halbfinale schafft, und das ist unser Ziel, dann hat jede Mannschaft die Chance, die Olympia-Qualifikation zu schaffen», sagte Koslowski weiter. Der niederländische Olympia-Vierte von 2016 sei für ihn «wahrscheinlich Topfavorit, dann kommt die Türkei, danach vier oder fünf Mannschaften, die auf sehr gutem, sehr hohem Niveau spielen.»

Koslowski zählt sein Team dazu, das im Angriff auf die überragende China-Legionärin Louisa Lippmann sowie Jennifer Geerties und Hanna Orthmann setzt. Die Außenangreiferin aus Monza hatte bei der EM im vergangenen Jahr noch wegen Oberschenkelproblemen gefehlt. Dennoch stürmten die Deutschen mit sechs Siegen nacheinander – unter anderem gegen Großmacht Russland – bis ins Viertelfinale. Dort war erst gegen Co-Gastgeber Polen (2:3) Endstation. Können Lippmann & Co. eine Leistung wie gegen Russland abrufen, ist Tokio greifbar.

Koslowski kennt den Druck der Olympia-Qualifikation. Vor vier Jahren hatte er erst wenige Wochen vor dem Turnier in Ankara zusammen mit Andreas Vollmer die Nachfolge des beurlaubten Luciano Pedulla angetreten. Trotz zweier Vorrundensiege verpassten Lippmann & Co. aber den Sprung ins Halbfinale und zu Olympia in Rio. «Ich bin viel ruhiger, damals war sehr viel Hektik, sehr viel Stress», erinnerte sich Koslowski. Diesmal kann er es kontrollierter angehen, auch wenn ihn das Ziel Tokio unter Spannung versetzt. Und vielleicht schafft er es auch noch rechtzeitig zur Geburt seines vierten Kindes.

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(dpa)

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