Gladbach wie im Rausch: Alt-Borussen adeln Rose

Mönchengladbach – Die Aufgabe ist kniffliger als sonst. Vor dem Bundesliga-Topspiel gegen Rekordmeister FC Bayern München am Samstag (15.30 Uhr/Sky) scheint Marco Rose fast mehr als Moderator denn als Trainer des Tabellenführers Borussia Mönchengladbach gefordert.

Der 43-Jährige ist bemüht, die überschwänglich gewordenen Erwartungen im Umfeld in die richtigen Bahnen zu lenken. «Wir freuen uns, dass wir da oben stehen. Es sind aber erst 13 Spieltage gespielt. Wir tun gut daran, weiter von Spiel zu Spiel zu schauen», sagte Rose einerseits, verdeutlichte dabei aber auch seinen riesigen Ehrgeiz. «Wir wollen jedes Spiel gewinnen, auch am Samstag gegen Bayern München.»

Denn andererseits versucht Rose auch, mit der riesigen Euphorie beim fünfmaligen Meister geschickt zu spielen, um diese für ein weiteres Highlight auf dem Weg zur möglichen Herbstmeisterschaft zu nutzen. «Unser Stadion wird in Sachen Stimmung brennen», versprach Rose. «Wir gehen in jedes Spiel, um es zu gewinnen. Und wir trauen uns das auch gegen jeden Gegner zu.»

Längst hat sich Roses Ehrgeiz, diese Gier nach Erfolg auf das Team übertragen, das in den vergangenen Jahren stets in einem bedachten Umfeld des Understatements agiert hatte. «Wir sind Borussia, wir können jeden schlagen», sagte Rechtsverteidiger Stefan Lainer, der zusammen mit Rose vor der Saison von Red Bull Salzburg nach Gladbach gekommen war, nun im «Kicker»-Interview (Donnerstag).

Genau diese neue Einstellung versetzt das Umfeld inzwischen in die goldenen 1970er Jahre zurück. Zum 100. Geburtstag des 1983 gestorbenen Club-Idols Hennes Weisweiler am Donnerstag meldeten sich etliche Alt-Borussen überschwänglich lobend zu Wort und verglichen Rose bereits mit dem Trainer-Guru und Meister-Coach von einst.

«Man kann schon sagen, dass da zur Zeit eine Parallele entsteht», sagte Horst Köppel, der als Spieler in den 70ern alle bisherigen Meisterschaften mit der Borussia errungen hatte, der Deutschen Presse-Agentur. Er hält Borussia dank Rose inzwischen wieder für titelreif: «Natürlich kann eine Mannschaft, die nach 13 Spieltagen Tabellenerster ist, auch nach 34 Spielen oben stehen.»

Deutlicher wurde Berti Vogts. «Die Art, wie er mit dem Team umgeht, wie er die Spieler immer wieder fordert, seine Ansprache, auch, wie er an der Seitenlinie coacht – Marco Rose hat sehr viel von Hennes Weisweiler», sagte der frühere Bundestrainer der «Rheinischen Post». «Wenn Gladbach am Samstag gegen die Bayern gewinnt, wird es schwer sein, sie da oben wieder wegzukriegen.» Denn dann würde der Vorsprung Borussias auf den größten Titel-Favoriten bereits sieben Punkte betragen. «Der ganz große Wurf ist für Gladbach in dieser Saison möglich», schrieb Stefan Effenberg im «Kicker» (Donnerstag).

Dass sich diese Haltung bei vielen Gladbachern nach gut zwei Monaten Tabellenführung manifestiert hat, liegt vor allem an Rose. «Er macht einen hervorragenden Job. Er vermittelt den Spielern die Siegermentalität», sagte Vogts. «Wir haben damals auch immer nach vorne gedacht, haben immer an den Sieg geglaubt und waren nie zufrieden, sondern wollten immer mehr.» Dies scheint nun ähnlich.

Rückschläge wie das 0:2 beim Aufsteiger Union Berlin vor knapp zwei Wochen werfen das Team nicht um. Borussia konterte darauf mit einem 1:0 in der Europa League gegen Wolfsberg und dem beeindruckenden 4:2 gegen Freiburg zuletzt – dies war der fünfte Heimsieg am Stück. Keinem anderen Team in der Bundesliga gelang dies im selben Zeitraum.

Mit einer spektakulären Offensive, zugleich aber auch überzeugenden Defensive – Gladbach kassierte bislang die zweitwenigsten Gegentore – und dem überragenden Yann Sommer im Tor scheint Rose die richtige Mischung gefunden zu haben.

Fotocredits: Marius Becker
(dpa)

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