Leon Bailey: Erst Bayern-Besieger, jetzt Bayers böse Bube

Leverkusen – Nach Angaben von Rudi Völler saß Leon Bailey nach dem Spiel «todtraurig in der Kabine». Doch das Mitleid für den 22-Jährigen hielt sich bei seinen Bossen und seinen Kollegen von Bayer Leverkusen in Grenzen.

Im Gegenteil: Selten wurde ein Bundesliga-Profi öffentlich so deutlich aus den eigenen Reihen kritisiert wie Bailey nach der 0:2 (0:0)-Derbyniederlage beim 1. FC Köln. Nach seiner zweiten Roten Karte binnen sechs Wochen ist der Jamaikaner für viele erst einmal unten durch – und das nur zwei Wochen nach seiner Zwei-Tore-Gala beim FC Bayern.

Nationalspieler Kai Havertz sprach von «Blödheit», Trainer Peter Bosz bestellte Bailey zum Rapport, und Kapitän Lars Bender forderte öffentlich eine Entschuldigung von dem jungen Stürmer. Auch Sportchef Völler war sichtlich erzürnt über die Undiszipliniertheit Baileys, der schon sechs Wochen zuvor mit Rot vom Platz geflogen war. «Ich habe der Mannschaft nach dem Spiel ein paar Worte gesagt», sagte Völler: «Aber bei ihm fehlen mir einfach die Worte.»

Nicht so Lars Bender. «Er hat uns einen Bärendienst erwiesen. Das geht überhaupt nicht», schimpfte der Kapitän, nachdem Bailey den Kölner Kingsley Ehizibue in der 77. Minute ins Gesicht geschlagen hatte. «Es ist nicht seine erste Rote Karte, und da erwarte ich eine Entschuldigung», sagte Bender. «Da sind Jungs auf dem Platz, die sich 70 Minuten auskotzen und dann in der Folge zu neunt dagegenhalten müssen.» Zum Zeitpunkt von Baileys Aussetzer waren die Leverkusener bereits in Unterzahl, nachdem Aleksandar Dragovic (62.) Gelb-Rot gesehen hatte.

Auch Torhüter Lukas Hradecky war unnachgiebig mit Bailey. «Er enttäuscht die Mannschaft schon wieder. Das geht einfach nicht.» Und Havertz erklärte: «Das war nicht die klügste Aktion. Das war extrem blöd. Er wird bestimmt eine Strafe bekommen.»

Und diese wird empfindlich ausfallen. Am 2. November hatte Bailey, gerade aus einer Verletzung zurückgekehrt, gegen Mönchengladbachs Patrick Herrmann nachgetreten. Damals war er für zwei Spiele gesperrt worden, hatte 12 000 Euro vom Verband und eine erhebliche Geldstrafe vom Verein aufgebrummt bekommen. Mit seinem Sahnetag in München, als er Bayer mit dem Doppelpack alleine zum 2:1-Coup beim Rekordmeister schoss, hatte er dies zunächst vergessen gemacht.

Die Chance dazu wird er diesmal so schnell nicht wieder bekommen. Sollte das Sportgericht keine mildernden Gründe wie eine Provokation erkennen, beginnt das Strafmaß bei sechs Wochen. Für Wiederholungstäter wie ihn ist gar eine Erhöhung möglich.

Wie Bayer mit dem hochbegabten Angreifer umgeht, ist offen. Bosz übte zwar keine öffentliche Kritik an Bailey, kündigte den Journalisten aber in strengem Ton an: «Ich werde das mit ihm besprechen, nicht mit euch.»

Bis Weihnachten wird Bailey sicher nicht auf dem Platz stehen, im Heimaturlaub in Jamaika wird er Zeit haben nachzudenken. Um bei Fans und Kollegen künftig eher als der Superstar zu gelten, der er gerne wäre – und nicht als Problemfall.

Fotocredits: Marius Becker
(dpa)

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