«Märchen» Scorpions: Alpenvulkan Zach und sein DEL-Coup

Hannover – Der Titelgewinn mit dem heutigen Drittligisten Hannover Scorpions vor zehn Jahren hat einen besonderen Stellenwert bei «Alpenvulkan» Hans Zach.

Und Eishockey-Legende Zach hat mit seinen 71 Jahren viel erlebt. Fünf Jahre lang war er Bundestrainer, er gewann drei Meisterschaften mit der Düsseldorfer EG, zwei weitere als Spieler.

«Wir waren krasser Außenseiter», erinnerte sich Zach im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Der 4:2-Erfolg im dritten Playoff-Finale gegen Augsburg machte am 25. April 2010 die erste und einzige Meisterschaft der Scorpions perfekt. «Es hat alles super zusammengepasst», sagte Zach.

Das zehnjährige Jubiläum des Titelgewinns hatte Zach gar «nicht parat». Dabei war der Finalsieg sein letztes Match als Scorpions-Coach. Von 2006 an baute er gemeinsam mit dem langjährigen Manager Marco Stichnoth die Scorpions zu einem Meisterteam zusammen und ging mit dem größten Triumph der Clubgeschichte in den vorübergehenden Ruhestand, in dem er sich nun endgültig befindet. «Für ihn war es ein tolles Abschiedsgeschenk. Es war alles irgendwie wie im Märchen», sagte Stichnoth, heute Berater beim Zweitligisten Dresden, der dpa.

Zach war der Macher, laut Stichnoth der «Lotse, der das Schiff geführt» hatte. Auch die Spieler denken gerne an den Trainer-Routinier zurück, teilweise mit einem Schmunzeln. Andy Reiss, damals wie heute bei den Scorpions, erinnert sich an eine kleine Strafmaßnahme aus dem März 2010, als er zu spät zum Training kam. «Ab dann musste ich 14 Tage lang immer zwei Stunden vor Trainingsbeginn in sein Büro in der Arena kommen, ihm die Hand geben und einen guten Morgen wünschen», sagte Reiss dem «Sportbuzzer».

Zu Saisonbeginn sah es noch so überhaupt nicht nach Titelgewinn aus. Erst schockte Eigner Günter Papenburg mit einer Gehaltskürzung um 15 Prozent, dann war der Club Mitte November 2009 nach einem 3:7 in Frankfurt Letzter. Und dann kam Torhüter Travis Scott.

Zach bezeichnete die Verpflichtung des damals 34 Jahre alten Kanadiers als «Schlüsselmoment». Die Scorpions kletterten dank des neuen Rückhalts bis zum Vorrunden-Ende auf Platz vier und zogen nach Playoff-Siegen gegen Nürnberg (3:2) und Ingolstadt (3:0) ins Finale ein. Auch dort gab es wieder nur drei (knappe) Partien, jeweils mit dem glücklicheren Ende für die Scorpions.

Ein 4:2 am 25. April 2010 sorgte beim Team um den damaligen Youngster David Wolf, später NHL-Profi und Olympia-Silbergewinner von 2018, für eine mehrtägige, denkwürdige Party. Stichnoth erwähnt eine Stadtrundfahrt des Meisterpokals in einem Taxi. «Der Cup sollte sehen, wie es in Hannover aussieht», sagte er. Zudem wurde der Pokal auch einmal in der Sauna vergessen.

Zachs Abschied nach dem Coup war allerdings der Anfang vom Ende der Scorpions. Geldgeber Papenburg hatte wegen schwacher Zuschauerzahlen und im Dauerzwist mit der Stadt und dem Land Niedersachsen keine Lust mehr und zog sich zurück, nachdem er in zehn Jahren rund 20 Millionen Euro in den Club investiert haben soll. Gerechnet haben sich die Ausgaben nie. Selbst in der Meistersaison machte der Verein nach Papenburg-Angaben einen Verlust in Höhe von 4,7 Millionen Euro. Die Lizenz wanderte nach Schwenningen, die Scorpions spielten danach wieder in der ländlichen Wedemark, nördlich von Hannover.

Dort kämpfen sie in der amateurhaften Oberliga gegen den Lokalrivalen Hannover Indians, die Crocodiles Hamburg oder den Icefighters Leipzig in der Provinz um Punkte und um jeden Sponsor. Auch die Coronavirus-Pandemie schlägt sich in der finanziell ohnehin schwierigen Situation noch einmal nieder. Die lukrativen Playoffs wurden abgebrochen. Wie es weitergeht? Ungewiss. «Immerhin bieten sie den Fans ein zu Hause», sagte Stichnoth.

Fotocredits: Jochen Lübke,Jochen Lübke
(dpa)

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