Neue Jagdgelüste bei Werner: «Heranpirschen» an Lewandowski

Mainz – Timo Werner hat die Jagd nach der Torjägerkrone in der Fußball-Bundesliga wieder eröffnet – gibt sich aber keinen Illusionen hin.

«Mit 24 Toren hätte man früher schon die Kanone gewinnen können», sagte der 24 Jahre alte Nationalstürmer von RB Leipzig nach seinen drei Treffern zum 5:0-Erfolg in Mainz. Und fügte einschränkend hinzu: «Wenn da nicht dieser eine Stürmer wäre, der alles überragt, nicht nur in der Bundesliga, sondern weltweit.»

Gemeint ist Bayern Münchens Torjäger Robert Lewandowski – für Werner der «zurzeit beste Stürmer der Welt». Der Pole liegt im Fernduell mit 27 Treffern vorn. «Es ist schwer, an ihn ranzukommen, weil er mit einer großen Beständigkeit trifft. Wenn ich am Ende dichter rankomme, umso besser», sagte der gebürtige Stuttgarter, der mehr als ein Drittel der 68 Tore der Leipziger in dieser Saison erzielt hat. Dennoch hofft er, schon am Mittwoch (20.30 Uhr/Sky) gegen Hertha BSC toremäßig «noch einmal Gas geben und sich heranpirschen» zu können.

Für Werner ist der FSV Mainz 05 so eine Art Lieblingsgegner, der gerade recht kam, um seine Ladehemmung zu lösen. In der 11. Minute erzielte er das 1:0 und damit seinen ersten Treffer nach zuvor 310 torlosen Minuten. Zwei weitere Treffer folgten (48. und 75. Minute). Damit ist Werner mit insgesamt 91 Treffern alleiniger Rekordschütze der Leipziger vor Daniel Frahn (88).

Bereits im Hinspiel gegen Mainz (8:0) hatte er dreimal getroffen. «Dass es zweimal so gut geklappt hat, freut mich natürlich», sagte der blitzschnelle Torjäger. Wichtiger als der Dreierpack und wiedererweckte Jagdgelüste war ihm der Sieg, um für die nun auf Platz drei vorgerückten Sachsen «einen Champions-League-Platz zu sichern».

Dennoch erhielt Werner für seinen überragenden Auftritt nach einem zuvor eher mäßigen gegen den SC Freiburg (1:1) Lob vom Trainer. «Der Entwicklungsschritt zwischen Freiburg und heute ist interessant. Er hat auf seinem Posten viele Bälle verarbeitet, gut aufgebaut und gut gespielt», erklärte Julian Nagelsmann. Damit meinte er auch Werners cleveres Ausweichen auf die Flügel, das zu noch mehr Verwirrung der Mainzer Fünfer-Abwehrreihe beigetragen hatte. «Timo kann mehr Tore schießen», prophezeite sein Coach. An Spekulationen über den Ausgang des Zweikampfes um die Torjägerkanone wollte sich Nagelsmann aber nicht beteiligen: «Ich will Timo nicht unter Druck setzen.»

Die Wertschätzung der aktuell besten Bundesliga-Schützen beruht im übrigen auf Gegenseitigkeit. Kurz vor dem Neustart der Saison hatte Lewandowski Werner auf die gleiche Qualitätsstufe mit weltberühmten Angreifern wie Karim Benzema, Luis Suárez, Sergio Agüero und Kylian Mbappé gestellt.

Dennoch will der Leipziger weder in Zukunft mit dem Polen zusammen spielen noch sein Nachfolger bei den Bayern werden, sondern lieber ins Ausland wechseln. Der FC Liverpool mit Trainer Jürgen Klopp gilt offenbar als seine Wunschadresse. Trotz eines Vertrages bis 2023 bei RB Leipzig gilt es als wenig realistisch, dass er über das Saisonende hinaus in Sachsen bleiben wird.

Fotocredits: Kai Pfaffenbach
(dpa)

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