Nico Rosberg, der sorgenfreie Formel-1-Pensionär

Berlin – Die Ehrenrunde des Nico Rosberg nimmt einfach kein Ende. Auch wenn die Vorstellung des neuen Formel-1-Silberpfeils am Donnerstag den nächsten Schritt in die Zukunft ohne den Weltmeister markiert, lässt sich der zurückgetretene Champion auf seiner langen Partytour nicht aufhalten.

Galas, Preisverleihungen, Plauderrunden – Rosberg badet im Vorruhestand mehr denn je im Scheinwerferlicht auf den roten Teppichen dieser Welt. Die Suche nach neuen Aufgaben kann noch ein bisschen warten. «Ich habe ja keinen Stress, ich lasse mir Zeit. Es sind so viele Möglichkeiten da», sagt der 31-Jährige.

Das knallharte Fitnesstraining vor dem Start einer neuen Saison, die vielen Stunden im Simulator, die Zweifel an der Wettbewerbsfähigkeit des neuen Dienstwagens – Rosberg hat das Leben im Druckkessel der Formel 1 hinter sich gelassen und es vorerst gegen das Dolce Vita eines sorgenfreien Pensionärs eingetauscht.

Zum ersten Mal seit der Neugründung des Mercedes-Werksteams vor sieben Jahren wird der gebürtige Wiesbadener bei der Präsentation eines neuen Autos am Donnerstag in Silverstone nicht als Stammpilot vorfahren. Als siebter Weltmeister in der Geschichte der Formel 1 tritt Rosberg nicht zur Titelverteidigung an. «Wenn er weg ist, ist er weg», sagt Team-Aufsichtsratschef Niki Lauda, dem Sentimentalität eher fremd ist. «Wir schauen jetzt in die Zukunft und trauern Rosberg nicht hinterher.»

Das Gefühl beruht anscheinend auf Gegenseitigkeit. Zumindest lässt Rosberg bislang nicht erkennen, dass er seinen völlig überraschenden Rücktritt fünf Tage nach dem ersten WM-Triumph bedauert, auch wenn er zuletzt alte Formel-1-Videos auf Youtube angeschaut hat. «Jetzt geht es in eine neue Richtung im Leben, das Leben hat so viel anzubieten», sagt Rosberg – und wiederholt dieses Mantra in fast jedem seiner vielen Interviews mit fröhlicher Erleichterung.

Plaudern mit Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg beim Weltwirtschaftsforum in Davos, Blödeln mit den Schauspiel-Stars Moritz Bleibtreu und Elyas M’Barek, Selfies mit Usain Bolt bei der Laureus-Sportlerehrung. Rosberg hat offenbar keine Langeweile und lässt die Öffentlichkeit an seinem Zeitvertreib teilhaben. In seiner neuen Gelassenheit will er auch die zerbrochene Freundschaft zu Lewis Hamilton kitten. «Ich bin offen für eine zukünftig bessere Beziehung, wir waren schließlich vor 15 Jahren beste Freunde», sagt Rosberg.

Auch den Blick ins Private gestattet der PS-Rentner gern. «Natürlich gebe ich mir jetzt mehr Mühe zu Hause», versichert Rosberg, der auch sein Familienglück mit Frau Vivian als Grund für seinen Formel-1-Abschied genannt hatte. «Meine Tochter ist jetzt anderthalb Jahre, sie zeigt uns ihre Liebe jetzt, das ist eine sehr wichtige Phase», erklärt Rosberg.

Der Nachwuchs soll auch bei seiner Suche nach neuen Lebensinhalten nach mehr als 20 Jahren im Motorsport eine Rolle spielen. «Ich möchte meine Zeit dazu nutzen, etwas zurückzugeben, vor allem an Kinder», sagt Rosberg. Konkrete Pläne aber gebe es noch nicht. Rosberg will seine neue Freiheit einfach noch genießen.


(dpa)

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