Weltmeister in Russland hoch im Kurs

Wolgograd – Dieses Spiel hätte eine unglaubliche Symbolkraft und würde die Sympathiewerte von Joachim Löw in Russland noch einmal enorm in die Höhe treiben.

Zum Start in die WM-Saison hat der Gouverneur von Wolgograd seinen Wunsch nach einem Friedensspiel der deutschen Fußball-Weltmeister gegen Russlands Nationalmannschaft im ehemaligen Stalingrad erneuert. «Ein solches Spiel würde uns alle sehr erfreuen», sagte Andrej Botscharow bei einem Ortstermin auf der Baustelle der WM-Arena. Man werde die Idee sicher weiter verfolgen.

Russland gegen Deutschland. Ein Fußballspiel exakt dort, wo vor 75 Jahren die deutsche Wehrmacht Stalingrad angriff und über mehrere Monate eine der fürchterlichsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs mit mehr als 700 000 Toten tobte. Bereits zum Baubeginn des imposanten Stadions direkt am Wolgaufer mit Blick auf das riesige Mahnmal «Mutter Heimat ruft» hatte der Politiker Botscharow vor zwei Jahren erstmals einen entsprechenden Vorschlag gemacht. Der DFB reagierte bislang stets zurückhaltend auf das Angebot.

Die Crux damals wie heute: Ein Termin ist schwer zu finden. Vor der WM ist eine solche Partie nicht mehr möglich. Die Vorbereitungstermine der DFB-Auswahl für die Titelverteidigung im kommenden Sommer sind mit Tests unter anderem gegen Spanien (23. März) und Brasilien (27. März) schon vergeben.

Ein deutsches WM-Spiel in Wolgograd ist allerdings möglich. «Wir müssen die Auslosung abwarten. Wir begrüßen alle Mannschaften, die zu uns kommen», sagte Botscharow. Wenn die Nationalmannschaft bei der Auslosung am 1. Dezember zum Kopf der Gruppe H bestimmt wird, bestreitet sie ihr letztes Gruppenspiel in Wolgograd. Ein Duell mit Russland ist dort nicht möglich, da der Gastgeber Kopf der Gruppe A sein wird und frühestens in der K.o.-Phase auf Deutschland treffen kann. In Wolgograd finden bei der WM nur vier Gruppenspiele statt.

Botscharow ist mit seiner Sehnsucht nach dem deutschen Team nicht alleine. In ganz Russland hat die junge deutsche Auswahl beim Confed Cup mächtig Eindruck hinterlassen. Besonders in den sieben WM-Spielorten, die beim Testlauf im Gegensatz zu den Sportmetropolen Moskau, St. Petersburg, Sotschi und Kasan noch außen vor waren, ist die Vorfreude auf das Fußball-Fest im nächsten Sommer riesig.

«Wir haben gute Beziehungen nach Deutschland», sagte Pjotr Tultajew. Der Bürgermeister von Saransk ist ein echter Entertainer. Mit Humor versucht er, den kleinsten und international kaum bekannten WM-Ort in ein gutes Licht zu rücken. «Kommen Sie nach Saransk! Bei uns laufen keine Bären über die Straße», sagt er. Die Deutschen? Gerne würde man sie begrüßen. «Sie sind so ordentlich.»

Jewgeni Kuiwaschew ist Gouverneur von Jekaterinburg. Mit seinem weißen Hemd und von sportlicher Gestalt ist er eine russische Blaupause von Oliver Bierhoff. Den deutschen Teammanager persönlich zu treffen, «wäre eine große Freude», sagte Kuiwaschew. «Die Deutschen sind uns sehr willkommen.» Dass die DFB-Elf wie von dem Politiker erhofft ihr WM-Quartier in der Millionenstadt weit im Osten am Ural aufschlägt, ist aber praktisch auszuschließen.

Auch in Wolgograd wird der DFB nicht seine Turnierbasis haben. Sotschi und der Großraum Moskau gelten als Favoriten. Wolgograd wird bei der WM wie Jekaterinburg und Saransk nur eine Nebenrolle spielen. Ohne Erstliga-Club galt schon die Ernennung zur WM-Stadt als in erster Linie politisch motiviert. Staatschef Wladimir Putin wollte symbolträchtige Spielorte.

Das ist Wolgograd in jedem Fall. Der Alltag ist auch heute noch durch viele Denkmäler von der Erinnerung an die Kriegszeit geprägt. Botscharow betonte aber besonders die heute guten Beziehungen der Stadt nach Deutschland. Der Besuch von Frank-Walter Steinmeier noch als Außenminister vor zwei Jahren hat bei dem kernig auftretenden Botscharow besonders Eindruck gemacht.

Die Bauarbeiten für das Stadion, das nach der WM Victory-Arena heißen soll, waren kompliziert. Nicht nur Munition wurde gefunden, sondern auch die sterblichen Überreste russischer Soldaten. «Wir kennen ihr Alter und ihren Dienstgrad, aber nicht ihre Namen», berichtet der Bauleiter Sergej Kamin. Viele Auflagen galt es einzuhalten. So darf das Dach der Arena das Mutter-Heimat-Denkmal mit seinem überdimensional großen Schwert nicht überragen – zehn Meter blieb man unter der entsprechenden Höhe.


(dpa)

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