Winterspiele 2026: Europa bleibt Wackelkandidat

Frankfurt – Olympische Winterspiele in den Alpen, dort, wo der Wintersport zu Hause ist und wo seine Tradition lebt?

Dieser Traum von IOC-Präsident Bach ist fast schon passé, nachdem in Sion/Schweiz und den österreichischen Städten Graz/Schladming zwei Bewerber für die Spiele 2026 abhandengekommen sind. Und weitere vorzeitige Kandidaten-Abschiede sind nicht ausgeschlossen. Das Thema Winterspiele 2026 hat auf der Exekutivsitzung des Internationalen Olympischen Komitees in Lausanne erste Priorität.

Es kann zudem in acht Jahren ein denkwürdiges Jubiläum geben: 20 Jahre Winterspiele außerhalb Europas. Denn in Stockholm könnte die Bevölkerung noch Stopp sagen – oder die Politik: In Schweden sind am 9. September Parlamentswahlen. Auch Italiens Städtetrio Mailand, Turin und Cortina d’Ampezzo könnte noch ausgebremst werden. Für 2020 und 2024 musste Rom Sommerspiele-Bewerbungen zurückziehen: Einmal intervenierte die Regierung, das zweite Mal das Stadtoberhaupt.

Die IOC-Spitze wird am Mittwoch zu Beginn der dreitägigen Tagung über die Winterspiele 2026 und die verbliebenen fünf Kandidaten beraten. Neben Stockholm und Italiens Städteverbund sind noch Erzurum/Türkei als Außenseiter sowie Calgary/Kanada und Sapporo/Japan im Rennen.

«Insgesamt wünschen wir uns natürlich baldmöglichst Winterspiele in einem europäischen Wintersportland», sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. «Vielleicht klappt es ja doch schon 2026 – wer weiß.» Zuletzt war Turin 2006 Olympia-Schauplatz.

Allerdings erfuhr mit den gescheiterten Bewerbungen von München und Hamburg, wie schwer es ist, den Menschen die möglichen positiven Effekte von Olympia für ein Land zu vermitteln. «Die Überzeugungsarbeit fällt einerseits so lange nicht leicht, bis Olympische Spiele einmal komplett nach der Reform-Agenda 2020 umgesetzt worden sind», meinte Hörmann. Andererseits seien erst im vergangenen Jahr die Sommerspiele und Paralympics 2024 nach Paris vergeben worden und dort herrscht eine große Euphorie – «nach dem Weltmeister-Titel für das französische Team wohl mehr denn je».

In Paris würden die angestoßenen Veränderungen aus der IOC-Agenda erstmals vollends sichtbar sein. «Dies wird die Botschaften des IOC mittel- und langfristig dann hoffentlich stützen und verstärken», sagte Hörmann. Die Entscheidung über die Vergabe der Winter-Edition 2026 fällt aber schon nächstes Jahr im September in Mailand. Ob bis dahin bei den Menschen in den Bewerberländern zudem angekommen ist, dass das IOC mehr als 100 Maßnahmen beschlossen hat, die Kosten für den Winterspiele-Ausrichter 2026 erheblich zu senken sowie Format und Programm an die Gastgeberstadt besser anzupassen?

Im Vergleich mit den Winterspielen 2022 in Peking sollen die Kosten vier Jahre später um rund 527 Millionen Dollar sinken und der IOC-Zuschuss auf 925 Millionen Dollar (2022: 880 Millionen) steigen. Damit wolle das IOC die Gastgeber bei der Organisation von «kostengünstigen, erfolgreichen Olympischen Spielen unterstützen», erklärte IOC-Sportdirektor Christophe Dubi.

Möglicherweise kann Deutschland davon profitieren, wenn der Wandel des IOC sicht- und spürbarer wird. Verlassen will sich der DOSB darauf allein nicht. Vielmehr setzt man auf die Entwicklung einer nationalen Strategie für Sportgroßveranstaltungen. «Es muss uns gelingen, die Mehrheit der Menschen davon zu überzeugen, dass Sportgroßveranstaltungen positive gesellschaftliche Effekte auslösen können und bei diesen Events die Werte des Sports vorbildlich gelebt werden», sagte Hörmann. «Diese Voraussetzungen brauchen wir erst einmal, um überhaupt eine neue Bewerbung angehen zu können.»

Das «grundsätzliche Interesse» der Bundesregierung an einer Olympia-Bewerbung sei vorhanden. Auch gebe es in mehreren Regionen Deutschlands – an Rhein und Ruhr sowie Berlin – entsprechende Überlegungen. «Die Frage, ob es bei einer möglichen Olympiabewerbung um Winter- oder Sommerspiele geht, und wo diese ermöglicht werden sollen, ist im Moment nicht zu beantworten», sagte Hörmann. «Das muss zu gegebener Zeit in aller Ruhe und Professionalität entschieden werden.»


(dpa)

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