ARD-Dokumentation zum Gewichtheben für NADA «erschütternd»

Frankfurt/Main – Für die Nationale Anti-Doping-Agentur ist die ARD-Dokumentation «Geheimsache Doping – Der Herr der Heber» über den Gewichtheber-Weltverband «erschütternd».

Dies gilt insbesondere für die Aussage der früheren Weltklasse-Heberin aus Thailand, Rattikan Gulnoi, dass in ihrem Land Athleten ihrer Sportart im Alter von 13 Jahren in nationalen Wettbewerben angefangen haben zu dopen. Wie die NADA in einer Stellungnahme zu der ARD-Doku vom Sonntag mitteilte, sei es erschütternd, «wenn Sportler bereits in jungen Jahren mit Dopingsubstanzen in Kontakt kommen und keiner sie dabei unterstützt, ihren Sport sauber und fair auszuüben». Es gehe um ihre Gesundheit, die leichtfertig aufs Spiel gesetzt werde, hieß es.

Es sei jetzt Aufgabe der Welt-Anti-Doping-Agentur, die im ARD-Bericht erwähnten Vorgänge in Bezug auf die Anti-Doping-Arbeit aufzuarbeiten. «Strafrechtlich relevante Sachverhalte müssen von den zuständigen Strafverfolgungsbehörden unter anderen in der Schweiz verfolgt werden», sagte die NADA-Vorstandsvorsitzende Andreas Gotzmann.

Die NADA wisse von deutschen Sportlern, dass im Gewichtheben international sehr unterschiedlich kontrolliert und die Anti-Doping-Arbeit zu oft auf nicht zufriedenstellendem Niveau durchgeführt werde. Daher habe sich die NADA im Rahmen der Umstrukturierungsmaßnahmen der IWF 2018 für die sauberen Gewichtheber engagiert.

«Es hat nun den Anschein, dass der internationale Gewichtheberverband sowie viele nationale Verbände ihrer Verantwortung gegenüber den Athleten nicht gerecht geworden sind», so Gotzmann. «Dies ist umso bedauerlicher, da nun ein Ausschluss aus dem Olympia-Programm wahrscheinlicher wird.»

In der ARD-Doku wurde auf Grundlage von vorliegenden Dokumenten unter anderen der Vorwurf gegen die IWF und ihren Präsidenten Tamas Ajan erhoben, dem Betrug im Weltverband Tür und Tor geöffnet zu haben. So sollen fast die Hälfte der 450 Medaillengewinner der Olympischen Spiele und Weltmeisterschaften von 2008 bis 2017 im Jahr ihres Erfolges keine einzige Trainingskontrolle absolviert haben.

Fotocredits: Patrick Seeger
(dpa)

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