So steht es um den US-Sport in der Krise

Los Angeles – Langsam, aber sicher kommt wieder etwas Zug in den US-Sport – völlig ungeachtet dessen, dass die Corona-Pandemie das Land weiter fest im Griff hat und von einer Entspannung in vielen Teilen noch keine Rede sein kann.

Die NBA plant dennoch mit einer Fortsetzung der seit 11. März unterbrochenen Saison und gibt damit die Vorreiterin für andere populäre Sportarten in den Vereinigten Staaten. Erster bei der Rückkehr sind die Basketballer aber nicht.

BASKETBALL: 22 Mannschaften sollen vom 31. Juli an auf dem riesigen Gelände von Disney World in Florida die Saison fortsetzen und spätestens am 12. Oktober den NBA-Champion 2020 ermitteln. So ist der Plan, den am Donnerstag die Teambesitzer absegneten. Zustimmen müssen noch die Profis und auch mit Disney als Gastgeber der Quarantäne-Playoffs sind noch Details zu klären, aber alles läuft darauf hinaus. Wird das Vorhaben umgesetzt, haben alle deutschen NBA-Profis mit ihren Mannschaften noch Chancen auf die Playoffs. Zuschauer gibt es nur am Fernseher, aber nicht live vor Ort.

AMERICAN FOOTBALL: Die NFL will ihre neue Saison am 10. September starten. Dank der aktuell spielfreien Zeit ist der populärste Sport des Landes vergleichsweise wenig von der Pandemie betroffen – hat Teams aber die übliche Vorbereitung bislang nur mit Einheiten von zu Hause erlaubt und die Clubgelände über Wochen gesperrt. Am Donnerstag (Ortszeit) gestattete die Football-Liga den Trainern die Rückkehr. Spieler müssen sich noch gedulden.

EISHOCKEY: Wie die stärkste Eishockey-Liga die Meisterschaft beenden will, ist inzwischen klar. Die Hauptrunde ist abgebrochen, weiter ginge es direkt mit auf 22 Mannschaften erweiterte Playoffs. Sobald nur noch die üblichen 16 Teams dabei sind, geht es im bekannten Best-of-Seven-Format weiter bis zum Sieg des Stanley Cups. Gespielt werden soll an zwei Standorten, die die Liga zu einem späteren Zeitpunkt aus zehn Städten auswählen will. Wann es weiter geht, ist offen, frühestens aber Ende Juli. Zumindest Kleingruppentraining und der Eintritt in die sogenannte Phase zwei ist vom 8. Juni an erlaubt.

BASEBALL: Zu Beginn der Corona-Krise sahen die Baseballer aus wie eine Sportart, die mit einem klarem Plan relativ sicher zum frühestmöglichen Termin ihren zunächst abgesagten Saisonstart nachholen kann. Doch inzwischen sind die Liga und die Spieler über den Umfang der Saison, Einbußen beim Gehalt und die Umsetzung eines Rückkehrkonzepts so zerstritten, dass der ursprünglich mal erhoffte und so schön symbolträchtige Saisonstart am 4. Juli – dem Nationalfeiertag der USA – illusorisch ist.

FUSSBALL: In ähnlichen Schritten und mit ähnlichen Auflagen wie die Fußball-Bundesliga tastet sich die MLS zurück in die Saison. Die Teams dürfen nun wieder in voller Kaderstärke trainieren und sich unter Einhaltung der Hygieneregeln auf ein Ende der Corona-Pause vorbereiten. Angaben zu einem angepeilten Termin für die Fortsetzung der nach nur zwei Spieltagen unterbrochenen Saison machte die Liga nicht. Im Gespräch ist ein ähnliches Vorgehen wie in der NBA.

GOLF: Drei Monate nach dem Abbruch der Players Championship in Florida soll der Re-Start der lukrativen PGA-Tour vom 11. bis 14. Juni mit der Charles Schwab Challenge in Fort Worth im US-Bundesstaat Texas beginnen. Ein 37 Seiten starkes Konzept regelt die Rückkehr auf die US-Tour. Hohe Hygiene-Standards und Maßnahmen sollen dafür sorgen, dass trotz der Pandemie wieder Profi-Golf gespielt werden kann. Zuschauer sind bis auf Weiteres auf den Golfplätzen verboten.

TENNIS: Bis Ende Juli wird weltweit kein Profi-Tennis gespielt, also auch nicht in den USA. Dann aber gibt es offenbar zumindest einen theoretischen Plan, wie die US Open über die Bühne gehen könnten. Laut eines Berichts der «New York Times» soll das vom 17. bis 23. August im US-Bundesstaat Ohio angesetzte Masters-Turnier von Cincinnati bereits im Billie Jean King National Tennis Center in New York gespielt werden. Anschließend sollen dort vom 31. August bis zum 13. September die US Open an ihrem gewohnten Ort stattfinden.

MOTORSPORT: Schon am 18. Mai hat die wichtigste Motorsport-Serie in den USA ihr Comeback gegeben. Beim ersten Nascar-Rennen nach zehn Wochen Unterbrechung holte Kevin Harvick vor leeren Rängen in Darlington den Sieg. Seitdem gab es in der höchsten Klasse fünf Wettfahrten, am Sonntag steht die nächste auf dem Atlanta Motor Speedway an. Die Rennserie hat zwar ein Gesundheitskonzept erarbeitet, die Zahl der Mitarbeiter vor Ort auf 900 Personen limitiert und Fiebermessstationen eingerichtet, auf Corona-Tests nach Angaben der Nachrichtenagentur AP aber verzichtet. So sollen keine Testkapazitäten unnötig beansprucht werden.

Fotocredits: epa Gary C. Caskey
(dpa)

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