3:1 gegen Hertha BSC – Werder Bremen gewinnt Topspiel

Bremen – Für Hertha BSC ist der Höhenflug in der Fußball-Bundesliga erst einmal vorbei, Werder Bremen ist nach dem ersten Heimsieg in dieser Saison dagegen nun der Bayern-Jäger Nummer eins.

Die Norddeutschen gewannen gegen Hertha BSC mit 3:1 (2:0) und stoppten damit die Erfolgsserie der Gäste. Während es für die Berliner am fünften Spieltag die erste Niederlage setzte, bleibt das Team von Trainer Florian Kohfeldt ungeschlagen.

«Herzlichen Glückwunsch, jetzt bist du Bayern-Jäger», sagte Berlins Trainer Pal Dardai nach der Partie zu seinem Kollegen Kohfeldt. «Vielleicht sind wir zuletzt etwas zu viel gelobt worden.» Der Bremer Trainer wollte die Rolle als vorübergehende Nummer zwei der Liga nicht überbewerten. «Wir dürfen nicht durchdrehen», sagte Kohfeldt.

Vor 39.100 Zuschauern im Weserstadion brachten Martin Harnik (11. Minute) und Milos Veljkovic (45.) Werder vor der Pause verdient in Führung. Javairo Dilrosun (53.) gelang nach dem Seitenwechsel der Anschlusstreffer für die Berliner, die nicht an ihre starke Leistung beim 4:2 gegen Borussia Mönchengladbach anknüpfen konnten. Max Kruse sorgte per Foulelfmeter für das 3:1 (66.).

«Das war heute ein Spitzenspiel, die ganze Bundesliga hat auf uns geguckt. Und wir haben eindrucksvoll bewiesen, dass mit uns zu rechnen ist», meinte Torschütze Kruse. Das sah auch Kollege Harnik so: «Wir haben in der ersten Halbzeit sehr gut gespielt, und Tore sind nun mal die beste Bewerbung», sagte der Österreicher zur Konkurrenzsituation im Team.

Für Herthas Mittelfeldspieler Fabian Lustenberger war das Ergebnis «enttäuschend, denn auch wir hatten gute Torchancen. In der ersten Halbzeit waren wir ebenbürtig. Wir haben nicht unverdient verloren», meinte er, «aber ein Punkt wäre heute trotzdem drin gewesen.»

Die letzte Pleite für die Grün-Weißen gegen Hertha liegt nun schon fünf Jahre zurück: am 16. Spieltag 2013/14 verloren die Bremer mit 2:3 in der Hauptstadt. Gegen keine andere aktuelle Bundesliga-Mannschaft ist Werder so lange unbesiegt.

Zum ersten Mal stand Nuri Sahin in der Startformation der Bremer. Der aus Dortmund gekommene türkische Nationalspieler ersetzte im defensiven Mittelfeld Philipp Bargfrede. Auch bei den Gästen gab es ein Novum: Erstmals überhaupt durfte Palko Dardai in der Bundesliga von Beginn an mitspielen – bis zur 64. Minute: Dann kam der Ex-Bremer Davie Selke für den Sohn des Hertha-Trainers.

Werder startete schwungvoll. Harnik und Maximilian Eggestein prüften Herthas Keeper Rune Jarstein (5.), die erste wirklich gefährliche Aktion führte dann gleich zum Führungstor. Nach einem langen Freistoß von Sahin herrschte Konfusion im Hertha-Strafraum: Zunächst sprang der Ball an die Latte, dann schlug Lustenberger seinem Torhüter Jarstein die Kugel aus den Händen, und im Durcheinander stocherte Harnik die Kugel mit der Hacke ins Netz.

Elf Jahre liegen nun zwischen Harniks einzigen beiden Bundesliga- Toren für Bremen. Beim vermeintlichen 2:0 stand er aber im Abseits (17.). Sekunden vor dem Pausenpfiff war Veljkovic nach einer Ecke von Sahin mit dem Kopf zur Stelle.

Werder blieb nach der verdienten Führung am Drücker. Neuzugang Davy Klaassen vergab gleich zweimal aus guter Position (23./25.). Die Gäste wirkten verunsichert, nur Vedad Ibisevic ließ mehrfach seine Klasse aufblitzen: In der 49. Minute traf der Hertha-Kapitän das Außennetz. Beim 2:1 durch Dilrosun, der Jiri Pavlenka mit einem Schuss ins kurze Eck überlistete, sah Werders Keeper nicht gut aus.

Jarstein musste wegen einer Oberschenkelprellung in der Kabine bleiben. Nach der Pause stand Thomas Kraft zwischen den Pfosten, gegen Kruses Strafstoß war er machtlos.

Erst nach 18:30 Minuten begannen die Werder-Anhänger mit der Unterstützung ihrer Mannschaft, die Berliner Fans zwei Minuten später – dieser Stimmungsboykott war als Protestaktion angekündigt worden. In den Fankurven sah man Transparente gegen die Anstoßzeiten oder die Übertragung der Spiele im Pay-TV. «Stell dir vor, es ist Fußball und keiner kann hin», «Spieltagszerstückelung stoppen» oder «Football is for you and me – Not for fucking Pay-TV» hieß es dort.


(dpa)

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