Finals lösen Begeisterung aus: «Berlin ist sensationell»

Berlin – Den Freudensprung in die Spree ließ sich Normen Weber natürlich nicht entgehen. Vor der historischen Kulisse der Berliner Mauer genoss der neue deutsche Meister im Stand Up Paddling die ungewohnt große Aufmerksamkeit voll und ganz.

«Wir sind eine junge Sportart und können uns hier präsentieren. So kann es weitergehen», sagte Weber. Dass der Endlauf in seiner Geburtsstadt am Samstag sogar live in der ARD für ein Millionen-Publikum übertragen wurde, ist Teil des neuen Konzepts bei der Premiere der Finals in der Hauptstadt.

Zehn deutsche Meisterschaften finden bei dem Multisport-Event am Wochenende parallel statt. Die Stand Up Paddler gehören zweifelsohne zu den größten Exoten, doch sie lockten an der Eastside Gallery gemeinsam mit den Kanuten sehr viele Zuschauer an. Einfache Bedingungen hatten sie nicht, denn das etwa 22 Grad warme Wasser war ziemlich unruhig, zu Beginn fuhren auch kleinere Schiffe vorbei, da die Spree nicht dauerhaft gesperrt werden konnte. «Man kann immer reinfallen, das ist auch eine Glückssache», sagte Hannah Leni Krah. Die 18-Jährige aus Dresden paddelte zum Titel bei den Frauen.

Gegen Mittag wurde es an einem der touristischen Hotspots richtig voll. Viele Besucher hielten kurz an und sahen auch, wie Ronald Rauhe den Kanu-Titel im Parallelslalom gewann. «Was Berlin hier geleistet hat und wie die Zuschauer mitgegangen sind – das hätte ich niemals für möglich gehalten. Da zeigt sich: Berlin ist sensationell, einzigartig und eine Sportstadt», sagte Olympiasieger Rauhe: «Ich bin super dankbar, dass wir hier diese Rennen fahren konnten.»

Der Sport hielt Berlin am Samstag schon ab dem frühen Morgen in Atem. Insgesamt sind an diesem Wochenende 3300 Athleten dabei, 202 deutsche Meister werden an insgesamt acht Wettkampfstätten gekürt. Schwimmer, Leichtathleten, Turner, Bahnradsportler, Bogenschützen, Triathleten und Boxer sind ebenso vertreten wie Kanuten und Moderne Fünfkämpfer. Besonders artistisch wurde es bereits am Samstagvormittag im eher wenig bekannten Fahrrad-Trial. Die Athleten mussten sich über schwierige Hindernisse kämpfen, ohne dabei vom Rad abzusteigen.

In der Vergangenheit fanden solche Wettbewerbe meist nur vor Freunden und Familienmitgliedern statt, eine große Bühne gab es nicht. In Zusammenarbeit zwischen den deutschen Sportfachverbänden und den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern soll es mit den Finals nun aber ein Event geben, das auch kleineren Disziplinen eine realistische Chance auf mehr Öffentlichkeit gibt. Noch ist allerdings nicht klar, ob es auch 2020 wieder ein solches Projekt geben wird.

Der Auftakt der Experiments gelang jedenfalls. Allein am Samstag übertrug die ARD rund zehn Stunden live im Fernsehen, ehe am Sonntag das ZDF übernimmt. Zu sehen gab es schon besondere Bilder. So stürzten sich die Triathletinnen bei fast schon zu warmen 25 Grad Wassertemperatur direkt neben den Strandkörben in den Wannsee. Nach 750 Metern ging es bei bestem Sommerwetter mit dem Rad durch den Grunewald in Richtung Olympiastadion, dort siegte die Potsdamerin Laura Lindemann und wurde lautstark von hunderten Fans auf den Tribünen bejubelt. «Das war echt cool, es waren viele Leute an der Strecke. Die Kulisse war richtig schön», sagte Lindemann.

Viele Fans lockten auch die Schwimmer um Doppel-Weltmeister Florian Wellbrock in die ausverkaufte Halle im Europasportpark und die Leichtathleten mit Sprint-Star Gina Lückenkemper ins Olympiastadion.

Auch die Bahnradsportler, die schon seit Mittwoch im Velodrom ihre Meister ausfahren, zeigten sich mit den Finals zufrieden. «Unsere Sportler haben eine ganz andere Möglichkeit, sich zu präsentieren. Das ist positiv», sagte Patrick Moster, der Sportdirektor vom Bund Deutscher Radfahrer: «Ich kann mir eine Wiederholung gut vorstellen – gern immer mal wieder in Berlin.»

Fotocredits: Monika Skolimowska
(dpa)

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