Großkreutz: «Für 90 Minuten kenne ich keine Freunde»

Düsseldorf – Dem Rendezvous mit der alten Liebe BVB fiebert Kevin Großkreutz seit Tagen entgegen: «Ich kann es kaum abwarten. Das ist ein geiles Spiel

«Aber für 90 Minuten kenne ich keine Freunde», sagte der Abwehrspieler des KFC Uerdingen vor dem Erstrundenspiel im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund am Freitag (20.45 Uhr/Sky/Sport1) in der Düsseldorfer Arena, wo der Drittligist in dieser Saison seine Heimspiele austrägt.

Auch die erwartete Sperre durch das DFB-Sportgericht nach seinem krass sportwidrigen Verhalten im Drittligaspiel gegen die SG Sonnenhof Großaspach verhindert den Auftritt gegen seinen langjährigen Club nicht. Großkreutz wurde für mindestens vier Meisterschaftsspiele gesperrt – im Pokal bleibt er spielberechtigt. «Das war unüberlegt von mir. Aber jetzt zählt nur das Spiel gegen Dortmund. Wir möchten den BVB ein bisschen ärgern.» Für Freunde und Familie organisierte Großkreutz 200 Tickets. «Ich habe meinen eigenen Block im Stadion», sagte er in Düsseldorf.

Der 31-Jährige trifft allerdings nicht zum ersten Mal auf den BVB. Im Pokalviertelfinale 2016 trat er mit dem VfB Stuttgart gegen seine ehemaligen Kollegen an und verlor (1:3). Die Krefelder, die erstmals seit fast 18 Jahren wieder in der Pokalhauptrunde stehen, konnte 1985 den Pokal gewinnen. «Aber am Freitag spielen wir gegen eine der besten Mannschaften Europas», sagte Trainer Heiko Vogel.

Großkreutz ist ein Dortmunder Junge. Er lebt dort, er hat dort die Gaststätte «Mit Schmackes» und er ist Co-Trainer bei seinem Heimatverein VfL Kemminghausen, wo er wann immer es geht sonntags in der Landesliga an der Seitenlinie steht. «Wenn mein Verein Hilfe braucht, helfe ich. Anders kenne ich das nicht«, sagte der 31-Jährige der «Welt am Sonntag».

In der Zeit als BVB-Profi hat Großkreutz die besten Momente seiner Karriere erlebt. Zweimal deutscher Meister, einmal Pokalsieger und 2014 Weltmeister in Brasilien mit der Nationalmannschaft, allerdings als einer von drei Feldspielern ohne Einsatz. Erst als Thomas Tuchel 2015 keine Verwendung mehr für den auf vielen Positionen einsetzbaren Spieler fand, begann seine kuriose Reise über Istanbul, Stuttgart, Darmstadt bis nun nach Krefeld.

Viele Schlagzeilen über Großkreutz sind abseits des Fußballplatzes entstanden. Auseinandersetzungen, Schlägereien, ein Dönerwurf und andere Geschichten führten dazu, dass er jedes Jahr bei einem anderen Club spielte, bei Galatasaray sogar ein halbes Jahr ohne Einsatz. Seine Eskapaden standen ihm oft im Weg. «Sie können bei meinen Mitspielern, Freunden und allen, die mich wirklich kennen, nachfragen. Sie werden bestätigen, dass ich kein schlechter Mensch bin», sagte er zuletzt in einem Interview.

Nun also gegen Dortmund. «Nach der Auslosung sind wir zuhause alle durchgedreht. Ich hatte in zwei Minuten 200 WhatsApp-Nachrichten», sagte der ehemalige Nationalspieler. Seine alten Kameraden wie Marco Reus, mit dem er früher auch bei Rot Weiss Ahlen gekickt hat, freuen sich auf das Wiedersehen. «Marco ist mein Freund. Wir werden die Trikots tauschen», sagte Großkreutz.

Auch sein früher Mitspieler Sebastian Kehl, heute Leiter der Lizenzspielerabteilung des BVB hatte nach der Auslosung gleich Kontakt mit Großkreutz. «Wir haben hin- und hergeschrieben. Ich glaube aber schon, dass Kevin an diesem Freitag gewillt ist, alles für seinen Club zu geben. Er wird das Spiel sicherlich nutzen, um sich noch mal zu zeigen und sich vor den Fans zu beweisen», sagte Kehl.

Fotocredits: Uwe Anspach
(dpa)

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