Infantinos Pläne für FIFA-Club-WM offenbar vor dem Aus

München – Rückschlag für FIFA-Präsident Gianni Infantino beim milliardenschweren Verkauf internationaler Wettbewerbe, aber der Wunsch nach einer Reform der Club-WM bleibt. Spitzenclubs befürworten ein neues Format dieses Wettbewerbs.

«Die besten Mannschaften Europas wünschen sich eine Reform dieses Turniers, auch Bayern München», sagte Michael Gerlinger, Direktor Recht und institutionelle Beziehungen beim FC Bayern München, der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage.

Laut einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» steht die von FIFA-Präsident Gianni Infantino vorangetriebene Reform offenbar vor dem Aus. Wie die Zeitung berichtet, habe der stellvertretende FIFA-Generalsekretär Zvonimir Boban, ein enger Vertrauter Infantinos, den europäischen Topclubs bereits mitgeteilt, das vorläufig nichts aus dem Projekt werde.

Infantino will die Club-Weltmeisterschaft von sieben auf 24 Teams erweitern und damit zusammen mit der Einführung einer globalen Nations League 25 Milliarden Dollar von Investoren kassieren. Diese Pläne waren auf heftige Gegenwehr gestoßen, zumal Infantino kaum Details preisgegeben hatte. Widerstand kommt vor allem aus Europa.

Es sei falsch zu sagen, «die Pläne der FIFA seien vom Tisch. Es wurde jetzt lediglich die Geschwindigkeit aus dem Reformprozess genommen», sagte der 45-jährige Gerlinger.

Der Wunsch nach einem veränderten Modus bleibt, das hatte zuletzt schon Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge angemerkt. «Das aktuelle Format ist tatsächlich nicht mehr attraktiv, die Distribution ist uninteressant, und der Zeitpunkt, so kurz vor Weihnachten, stößt nicht mehr auf sehr viel Gegenliebe. Die Pläne der FIFA sehen vor, dass die Club-WM alle vier Jahre im Juni veranstaltet würde, anstelle des Confed-Cups, der abgeschafft wird», hatte Rummenigge zuletzt dem «Münchner Merkur» gesagt.

«Mein Eindruck ist, dass von den Clubs, die in Zürich waren, generelles Interesse an einer Reform besteht. Wichtig ist jetzt, dass die Clubs gemeinsam mit der UEFA und der FIFA eine harmonische und loyale Lösung anstreben», erklärte Rummenigge. Real Madrid, zuletzt zweimal nacheinander Sieger des Wettbewerbs, hatte den FIFA-Vorschlag begrüßt. «Wir glauben, dass es für die Fans ein interessanter Wettbewerb sein würde», sagte Real-Spitzenfunktionär Emilio Butragueno.

Laut der Nachrichtenagentur AP kommt eine Entscheidung der FIFA über das 25-Milliarden-Dollar-Angebot von Investoren für den Verkauf internationaler Wettbewerbe nicht mehr vor der WM infrage. Eine von einem geheimen Investoren-Konsortium gesetzte Frist von zunächst 60 Tagen sei verlängert worden.

Fotocredits: Luisa González
(dpa)