Kovac unter Druck – Bayern brauchen «Leidenschaft»

München – Jetzt muss Niko Kovac wieder liefern. Nach etwas mehr als 100 Tagen steht der früh von den Bayern-Bossen hochgelobte Münchner Trainer schon vor einem richtungsweisenden Spiel beim VfL Wolfsburg.

Zwar kündigte Präsident Uli Hoeneß an, Kovac «bis aufs Blut» verteidigen zu wollen. Doch nach vier sieglosen Begegnungen würden weitere Pleiten in den nun vier (!) Auswärtspartien am Stück in Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal für größte Turbulenzen beim Tabellensechsten sorgen.

«Letztes Jahr waren wir fünf Punkte hinten», verwies Nationalspieler Mats Hummels auf die Wende in der Vorsaison, als die Bayern trotz klaren Rückstands auf Dortmund am Ende noch klarer Meister wurden. Jetzt sind es vier Zähler auf den BVB. «Wir haben alle schon so oft verloren und gewonnen. Ich glaube, dass wir uns nicht verrückt machen lassen», sagte Hummels. Aber das Mia-san-Mia-Gefühl suchten die Bayern zuletzt vergeblich.

Anders als von Kovac gehofft, kehrten der Innenverteidiger und seine DFB-Kollegen nach zwei weiteren Niederlagen an die Säbener Straße zurück. Robert Lewandowski kam als Nations-League-Absteiger wieder, Thiago verlor mit Spanien gegen England. Geglückte Länderspiel-Therapie ist das nicht. Immerhin: Der Kolumbianer James Rodríguez siegte zweimal und erzielte dabei ein Traumtor.

Am Samstag (15.30 Uhr) gegen Wolfsburg und am Dienstag (18.55 Uhr) bei AEK Athen soll Kovac die Münchner wieder auf Kurs bringen, bevor es beim FSV Mainz und in der zweiten Pokalrunde beim Regionalligisten SV Rödinghausen weiter geht. «Wir sind bereit für das Spiel in Wolfsburg und ich bin sicher, dass die nächste Woche gut für uns ist», versicherte Rafinha.

Der einen Monat lang pausierende brasilianische Außenverteidiger ist zurück und kann den nun verletzten David Alaba ersetzen. Die in der Nationalmannschaft ganz oder teilweise aussetzenden Jérôme Boateng und Leon Goretzka trainieren wieder voll mit der Mannschaft. Insgesamt konnte Kovac in den Tagen um seinen 47. Geburtstag aber nur mit einer Rumpfmannschaft die jüngsten Defizite vom 0:3 gegen Borussia Mönchengladbach aufarbeiten – das tat er hinter verschlossener Tür. «Es waren zuletzt nur vier, fünf Spieler aus dem Profikader im Training, da kann man nicht viel machen», sagte Arjen Robben.

Der Niederländer kann über die «Schwarz-Weiß-Malerei» in der Fußballwelt nur schmunzeln. Bei Siegen sei nicht alles gut und bei Niederlagen auch nicht alles schlecht, sagte Robben. «Wir brauchen einen Sieg, dann sieht es anders aus», erklärte der 34-Jährige im «Kicker». «Wir müssen die Gegner wieder dominieren, wir brauchen viel Leidenschaft, mehr Bewegung und Überraschung.» Zu den Problemen in der Offensive hatten die Münchner zuletzt Schwächen im Spiel nach hinten: In den vergangenen vier Partien kassierten sie immer mindestens einen Gegentreffer. Auch deshalb riet der ehemalige Sportvorstand Matthias Sammer, sich zunächst «defensiv zu stabilisieren».

«Es wird mal wieder Zeit, dass wir uns das Gefühl eines Sieges wieder holen», forderte Hummels in der «Bild» nach für ihn sechs sieglosen Auftritten. Eine Negativbilanz wie die jüngste von Kovac wies zuletzt Louis van Gaal vor acht Jahren auf. Damals waren die Münchner sogar nur Zwölfter nach sieben Spieltagen. Van Gaal bekam danach zunächst die Kurve, wurde aber ein halbes Jahr später doch entlassen. Kovac soll das nicht passieren.

Fotocredits: Tobias Hase
(dpa)