Leipziger Leistungsabfall bei Personalnot nervt Rangnick

Wolfsburg – Nach Diego Demmes Worten war alles über die Leistung von RB Leipzig gesagt. Zwei Spiele hat der Tabellen-Vierte in dieser Bundesliga-Saison bislang verloren: Eins am ersten Spieltag mit 1:4 beim BVB und nun das nächste am zwölften Spieltag beim 0:1 (0:0) beim VfL Wolfsburg.

«Das war eines der schlechtesten Spiele, die wir bislang gespielt haben und mit Sicherheit das schlechteste Spiel in dieser Saison», sagte Leipzigs Mittelfeldmotor Demme anschließend. Die Klatsche in Dortmund kam für den 27-Jährigen nicht annähernd in ähnlicher Weise in Betracht.

Widerspruch gab es nicht. Mit einem Spitzenteam hatte Leipzig in Wolfsburg so wenig gemein wie das Aufeinandertreffen beider Clubs mit einem Bundesliga-Traditionsduell. Dies schien niemanden so sehr zu wurmen wie RB-Coach Ralf Rangnick. «Wir hatten heute zu viele Spieler, die ihre Normalform nicht erreicht haben», sagte der 60-Jährige nach der Pleite in Wolfsburg, die der Fast-Absteiger der vergangenen beiden Spielzeiten höher hätte gewinnen müssen.

Angesichts der Spielanteile, der Chancen und des Engagements beider Teams war das Siegtor von Jerome Roussillon (50. Minute) – auch wenn es reichte – eigentlich zu wenig. Rangnick war so angefressen, dass er in der Spielanalyse regelgerecht über sein Team herfiel. Wo andere Trainer relativieren, Spieler schützen und nach Ausflüchten suchen, urteilte Rangnick schonungslos. Beim Gegentor etwa schimpfte der RB-Übergangscoach über das «nicht vorhandene Umschalt-Verhalten aller Abwehrspieler, die vorne waren».

Was den eigentlichen Leipziger Sportdirektor und Trainer-Platzhalter für Julian Nagelsmann so sehr erzürnte, war offensichtlich die Erkenntnis, dass sein Team bei entscheidenden Ausfällen in der Spitzengruppe der Liga nichts zu suchen hat. «Es war klar, dass es schwer wird, mit diesem Personal, das wir zur Verfügung hatten, das Spiel noch einmal zu drehen», spottete Rangnick regelgerecht.

Kevin Kampl (Sprunggelenk), Marcel Sabitzer (Wade) und Dayot Upamecano (Knie) waren nicht rechtzeitig fit geworden und gesellten sich zum Langzeitverletzten Emil Forsberg (Leiste). Wenn diese Ausfälle schon gegen Wolfsburg, das in neun Spielen zuvor nur einmal gewonnen hatte, zu deutlicher Unterlegenheit führt, was blüht dann erst am kommenden Wochenende, wenn Borussia Mönchengladbach kommt?

«Gegen Gladbach muss das wesentlich besser werden, denn die haben wirklich große Qualität», meinte Torhüter Peter Gulacsi. Anders als bei seinem Team kommen bei den Borussen beständig starke Akteure von der Bank, wenn Spieler ausfallen. Bei den Sachsen schien indes das gesamte Team durch die Ausfälle der Stammkräfte abzufallen.

Ob neben Forsberg auch das Trio der übrigen Verletzten am Sonntag oder schon am Donnerstag in der Europa League im internen Red-Bull-Duell gegen Salzburg wieder dabei ist, ist noch unklar. «Das ist ärgerlich, aber es ist jetzt nun mal so», sagte Rangnick.

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(dpa)