Vor 60 Jahren: Berliner Avus einmal Formel-1-Gastgeber

Berlin – Zum Politikum avancierte vor 60 Jahren das letzte Formel-1-Rennen auf der Berliner Avus.

Beim Dreifach-Sieg von Ferrari wurde der Große Preis von Deutschland zu einem weiteren Baustein der Aktion «Macht das Tor auf», wie das Fachmagazin «Das Auto – Motor und Sport» (heute: «Auto, Motor und Sport») im Vorfeld des Grand Prix am 2. August 1959 geschrieben hatte.

In Berlin erhoffte sich der Senat zahlreiche Zuschauer aus dem Osten der Stadt und sicherte dem veranstaltenden Automobilclub von Deutschland (AvD) eine Ausfallbürgschaft über 50.000 Mark ebenso zu wie eine Garantie, die mit Ost-Mark gezahlten Eintrittsgelder bis zu einer Höhe von 60.000 Mark zum Kurs von 1:1 umzutauschen.

Aber auch aus sportlicher Sicht war die 1921 eröffnete Automobil-Verkehrs und Übungsstraße (Avus) nicht unumstritten. «Eine simple Rennstrecke meinte Stirling Moss vor dem Rennen», sagte der frühere deutsche Rennfahrer Hans Herrmann (91) der Deutschen Presse-Agentur. Doch die spätere britische Rennlegende irrte. Bereits einen Tag vor dem WM-Lauf verunglückte der Franzose Jean Behra in seinem Porsche auf nasser Strecke tödlich. Einen Tag später überlebte Herrmann selbst einen Unfall und erhielt von da an den Spitznamen «Hans im Glück».

«Neues Deutschland» machte den Westberliner Senat als «Hauptschuldigen» aus. «Der französische Meisterfahrer Behra wurde ein Opfer der Frontstadt-Politik Brandts und Lemmers», schrieb das Zentralorgan der SED. Abseits der reinen Politik nahm aber auch der Formel-1-Zirkus schnell Abstand von der Avus. So blieb der Auftritt der Königsklasse ein einmaliges Ereignis.

Fotocredits: Konrad Giehr
(dpa)

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