Youngster Rida auf Sprung zur Turn-WM

Berlin – Ein Fabian Hambüchen ist er noch lange nicht. Im Programmheft war noch nicht mal ein Foto neben seiner Kurzbiografie veröffentlicht, obwohl Karim Rida bei den deutschen Turn-Meisterschaften in Berlin als hoffnungsvoller Lokalmatador an die Geräte ging.

Am Ende rieben sich aber einige der etablierten WM-Kandidaten die Augen, dass ihnen der 19 Jahre alte Rida mit Platz drei im Mehrkampf nicht nur den Podestplatz wegschnappte, sondern damit auch nachdrücklich seine Ambitionen für einen Platz in der fünfköpfigen deutschen WM-Riege untermauerte.

«Es ist ein atemberaubendes Gefühl, hier auf dem Podest zu stehen», sagte der junge Hauptstädter, der im ersten Seniorenjahr ist, berauscht von der stimmungsvollen Atmosphäre in der Max-Schmeling-Halle. Nur den olympiaerfahrenen Routiniers Andreas Toba und Marcel Nguyen ließ er den Vortritt. Rida bestätigte mit einem starken Mehrkampf und 81,60 Punkten die Erwartungen von Cheftrainer Andreas Hirsch, der ihn an der Seite der namhaften Turner in die Top-Riege eingeordnet hatte.

Am 17. August darf er nun gemeinsam mit neun weiteren Kandidaten die zweite Runde der WM-Qualifikation in Angriff nehmen. Zu seinen Rivalen in Kienbaum gehört dann auch sein Trainingsgefährte und früherer Vize-Europameister Lukas Dauser, der nach Mittelhandbruch bei den Titelkämpfe noch Zuschauer war. Doch in seiner Prognose hatte Dauser vor den Meisterschaften Rida schon als möglichen Medaillengewinner ausgemacht und damit im Publikum viele überrascht.

«Ich war bisher noch gar nicht auf die WM fokussiert. In Stuttgart zu starten, wäre ein Riesen-Traum. Aber vor der zweiten Quali stapele ich da lieber etwas tiefer», sagte Talent Rida, der bisher nur mit Silber bei der Junioren-EM in Glasgow und fünf Jugend-DM-Titeln auf sich aufmerksam machte.

Seit Jahren ersehnt sich Cheftrainer Hirsch eine jugendliche Auffrischung seiner Riege, nachdem mit Philipp Boy (2012) und Fabian Hambüchen (2016) zwei Star-Turner vom Goldenen Jahrgang 1987 ihre Karrieren beendeten. Verblieben ist nur Marcel Nguyen, der in Tokio gern seine vierten Olympischen Spiele erleben würde.

Hirsch schätzt bei Rida vor allem die Perfektion. «An Boden und Pferd könnte er der WM-Riege sicher helfen», prognostiziert Hirsch, sieht aber auch die Defizite im Schwierigkeitsgrad bei seinem Schützling, den er seit zwei Jahren unter genauer Beobachtung hat. «Bisher hatte er nicht gerade das stärkste Selbstbewusstsein. Der dritte Platz könnte ihm da helfen», meinte Hirsch. Doch am Tag nach dem Überraschungserfolg machte sich Rida dann gleich wieder selbst viel Druck: Er patzte an seinen Finalgeräten und musste gleich dreimal mit Platz sechs an Boden, Pferd und Ringen zufrieden sein.

Dank Rida hat sich Andreas Hirsch nun genau jene Situation geschaffen, die er anstrebt. Mehr Konkurrenz im Team soll für neue Motivation sorgen. Zumal Rida neben Dauser, Philipp Herder und Nils Dunkel nun der vierte Kandidat aus der Berliner Trainingsgruppe seines Sohnes Robert Hirsch ist, der nach dem WM-Ticket greift.

Fotocredits: Marijan Murat
(dpa)

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